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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 50. Band, (Jahrgang 1865)

Beitrage  zur  Kritik  und  Erklärung  des  Sophokles.

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Misslingens  der  Opfer  hingestellt.  Auch  der  Chor  beobachtet  in  seiner
Aufforderung  (1100  f.)  dieselbe  Reihenfolge,  und  wenn  Kreon  au
diese  Aufforderung  pünctlich  sich  gehalten  hätte,  so  würde  er  zuerst
Antigone  befreit  und  dann  den  Polyneikes  bestattet  haben.  Freilich
hat  der  Chor  diese  Reihenfolge  angewandt,  ohne  zu  wissen,  dass
gerade  so  und  nur  so  das  Unglück  sich  abwenden  Hesse.  Aber  trotzdem
ist  es  ja  sehr  wohl  möglich,  dass  der  Dichter  diese  Reihenfolge  absichtlich ­
  den  Chor  anwenden  Hess,  ohne  dass  dieser  ahnte,  wie  richtig
und  wichtig  sie  wäre.
Hätte  Kreon  geahnt,  dass  Antigone  sich  das  Lehen  nehmen
wolle,  so  hätte  er  natürlich  sich  beeilt,  erst  sie  zu  befreien;  und  diese
Mittheilung  würde  ihm,  glaube  ich,  Teiresias  gemacht  haben,  wenn
er  ihn  nicht  unversöhnt  hätte  fortgehen  lassen.  So  aber  verlloss  eine
geraume  Zeit,  bevor  Kreon,  der  zuerst  die  Bestattung  des  Polyneikes
vornahm,  zu  Antigone's  Grabgemach  sich  begab  (vgl.  die  Schilderung
des  Boten  1192  ff.).
Ich  mache  noch  auf  zwei  Stellen  aufmerksam,  welche  meine
Ansicht  bestätigen  oder  wenigstens  ihre  Wahrscheinlichkeit  hervortreten ­
  zu  lassen  geeignet  sind.  Die  erste  ist  V.  1111  1'.  iyöj  d’  instar,'
ddfoc  rfm  iTtsorpäyri,  avrog  r’  edr,atx  y.od  rtapöjv  ixliiaop.au.  Mag  man
diese  Worte  in  eigentlichem  Sinne  nehmen  (was  ich  für  das  Richtige
halte)  und  blos  auf  die  Befreiung  der  Antigone  beziehen  oder  mag
man  sie  metaphorisch  auffassen  und  glauben,  Kreon  spreche  hier  aus,
dass  er  an  Polyneikes  sowohl  als  an  Antigone  sein  Unrecht  durch
persönliches  Zugreifen  wieder  gut  machen  wolle:  jedenfalls  versperrt
er  sich  durch  den  in  nctpöjv  iy.lOaop.ai  ausgesprochenen  Entschluss
unwissentlich  die  Möglichkeit,  den  Selbstmord  der  Antigone  zu  verhüten. ­
  Hätte  er  nämlich  nicht  den  Entschluss  gefasst,  die  Antigone
persönlich  zu  befreien,  so  hätte  er,  wenn  er  schon  die  Bestattung  des
Polyneikes  früher  vorzunehmen  gesonnen  war,  doch  Diener  entsenden
können,  um  Antigone  sofort  in  Freiheit  zu  setzen;  diese  Diener  wären
noch  zu  rechter  Zeit  gekommen.  Dass  der  Dichter,  indem  er  diese
Worte  Kreon  in  den  Mund  legte,  bezeichnen  wollte,  dass  Kreon  sich
seihst  jede  Möglichkeit  Antigone's  Selbstmord  zu  verhüten,  abschnitf,
glaube  ich  um  so  eher  annehmen  zu  dürfen,  als  die  Worte  avro{  r’
sor,aa  x.ai  nap&v  iy.10aop.at  an  und  für  sich  etwas  sonderbar  sind,
und  zwar  desshalb  sonderbar,  weil  die  für  den  Entschluss  rcapöjv
ix.luaou.oti  gegebene  Begründung  avrdg  edr,aa  nicht  vollkommen
            
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