Beitrage zur Kritik und Erklärung des Sophokles.
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Misslingens der Opfer hingestellt. Auch der Chor beobachtet in seiner
Aufforderung (1100 f.) dieselbe Reihenfolge, und wenn Kreon au
diese Aufforderung pünctlich sich gehalten hätte, so würde er zuerst
Antigone befreit und dann den Polyneikes bestattet haben. Freilich
hat der Chor diese Reihenfolge angewandt, ohne zu wissen, dass
gerade so und nur so das Unglück sich abwenden Hesse. Aber trotzdem
ist es ja sehr wohl möglich, dass der Dichter diese Reihenfolge absichtlich
den Chor anwenden Hess, ohne dass dieser ahnte, wie richtig
und wichtig sie wäre.
Hätte Kreon geahnt, dass Antigone sich das Lehen nehmen
wolle, so hätte er natürlich sich beeilt, erst sie zu befreien; und diese
Mittheilung würde ihm, glaube ich, Teiresias gemacht haben, wenn
er ihn nicht unversöhnt hätte fortgehen lassen. So aber verlloss eine
geraume Zeit, bevor Kreon, der zuerst die Bestattung des Polyneikes
vornahm, zu Antigone's Grabgemach sich begab (vgl. die Schilderung
des Boten 1192 ff.).
Ich mache noch auf zwei Stellen aufmerksam, welche meine
Ansicht bestätigen oder wenigstens ihre Wahrscheinlichkeit hervortreten
zu lassen geeignet sind. Die erste ist V. 1111 1'. iyöj d’ instar,'
ddfoc rfm iTtsorpäyri, avrog r’ edr,atx y.od rtapöjv ixliiaop.au. Mag man
diese Worte in eigentlichem Sinne nehmen (was ich für das Richtige
halte) und blos auf die Befreiung der Antigone beziehen oder mag
man sie metaphorisch auffassen und glauben, Kreon spreche hier aus,
dass er an Polyneikes sowohl als an Antigone sein Unrecht durch
persönliches Zugreifen wieder gut machen wolle: jedenfalls versperrt
er sich durch den in nctpöjv iy.lOaop.ai ausgesprochenen Entschluss
unwissentlich die Möglichkeit, den Selbstmord der Antigone zu verhüten.
Hätte er nämlich nicht den Entschluss gefasst, die Antigone
persönlich zu befreien, so hätte er, wenn er schon die Bestattung des
Polyneikes früher vorzunehmen gesonnen war, doch Diener entsenden
können, um Antigone sofort in Freiheit zu setzen; diese Diener wären
noch zu rechter Zeit gekommen. Dass der Dichter, indem er diese
Worte Kreon in den Mund legte, bezeichnen wollte, dass Kreon sich
seihst jede Möglichkeit Antigone's Selbstmord zu verhüten, abschnitf,
glaube ich um so eher annehmen zu dürfen, als die Worte avro{ r’
sor,aa x.ai nap&v iy.10aop.at an und für sich etwas sonderbar sind,
und zwar desshalb sonderbar, weil die für den Entschluss rcapöjv
ix.luaou.oti gegebene Begründung avrdg edr,aa nicht vollkommen