Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 50. Band, (Jahrgang 1865)

686

K  v  l  c  a  1  a

notliwendig  ist;  diese  Annahme  nicht.  Teiresias  spricht  t'reilieii  von
V.  1064  an  nicht  hypothetisch,  sondern  apodiktisch;  er  sagt  nicht:
„wisse,  dass  dich  dies  Unglück  trifft,  wofern  du  nicht  schleunigst
umkehrst“.  Das  schliesst  aber  wohl  noch  nicht  die  Möglichkeit  aus,
dass  wenn  Kreon  sofort  nach  V.  1086,  bevor  Teiresias  wegging,  den
beleidigten  Seher  versöhnt  und  ihm  gehorchen  zu  wollen  erklärt
hätte,  das  Unglück  sich  noch  hätte  abwenden  lassen  «).  Kreon  aber
versäumt  den  rechten  Augenblick.  Als  Teiresias  sich  entfernt,  ist  er
zwar  erschüttert  (V.  1  OOS),  aber  noch  nicht  von  seinem  Starrsinn
abgebracht.  Es  bedarf  dazu  erst  noch  eines  wiederholten  Zuredens
von  Seiten  des  Chors  (1098.  1100  f.  1103  f.),  und  er  sagt  1108
ausdrücklich  po^t?  pev,  xccpdiag  d’  söffrapat  ro  Späv.
Ich  glaube  ferner,  dass  Teiresias,  wenn  ihn  Kreon  nicht  unversöhnt ­
  hätte  fortgeben  lassen,  ihm  gerathen  haben  würde,  zuerst
schleunigst  zur  Antigone  zu  eilen  und  erst  n  a  c  h  i  h  r  e  r  Be  fr  e  i  u  n  g
Polyneikes  zu  bestatten.  So  hätte  er  wohl  noch  Antigone  lebend  angetroffen ­
  und  Haimon’s  Selbstmord  verhütet 2 ).  Dafür  scheinen  mir
zwei  Stellen  zu  sprechen,  deren  Übereinstimmung  unter  einander  und
Differenz  im  Vergleiche  zu  einem  dritten  Puncte  beachtungswerth
ist.  Es  ist  gewiss  nichts  Zufälliges  oder  Bedeutungsloses,  dass  Teiresias
zuerst  Kreon’s  Verfahren  gegen  Antigone  (1068  f.)  und  dann  erst
(1070  ff.)  sein  Verbot  Polyneikes  zu  bestatten  anführt 3 ).  Und  doch
wäre  gewiss  die  umgekehrte  Reihenfolge  natürlicher  gewesen,  und
zwar  schon  desshalb,  weil  sie  dem  Zeitverhältniss  entspräche,  und
dann,  weil  für  Teiresias  der  gegen  Polyneikes  verübte  Frevel  die
Hauptsache  war.  Nur  diesen  hat  er  ja  in  seiner  früheren  Rede  hervorgehoben, ­
  nur  diesen  hat  er  als  Ursache  des  Götterzornes  und  des

*)  Teiresias  hatte  einen  doppelten  Grund,  jene  Clausel  „wenn  du  nicht  schleunigst
umkehrst“  zu  unterdrücken.  Erstens  holFte  er  davon  nichts,  und  zweitens,  was
noch  wichtiger  ist,  war  er  auf’s  Äusserste  gereizt.  In  seinem  Zorne  nun  konnte  er
gar  nicht  jenen  Zusatz  aussprechen,  weil  derselbe  der  Ausdruck  einer  wohlmeinenden ­
  Fürsorge  und  seine  Rede  dann  eine  Warnung  gewesen  wäre,  nicht  aber
das,  wofür  er  sie  1084  f.  ausgibt.
3 )  Jacob  sagt  (zu  V.  1064),  Antigone  tödte  sich,  während  Teiresias  noch  spricht.
Beweisen  lässt  sich  dies  durch  nichts,  es  ist  auch  nicht  einmal  wahrscheinlich.
8 )  Schon  Jacob  hat  auf  diesen  Punct  aufmerksam  gemacht:  „Beachtungswerth  ist,
dass  Teiresias  hier  von  Kreon’s  Frevel  gegen  Antigone  zuerst  spricht“.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.