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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 50. Band, (Jahrgang 1865)

Beiträge  zur  Kritik  und  Erklärung  des  Sophokles.

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Der  Scholiast  hat  V.  10(52  als  Fragesatz  gelesen  und  erklärt
aurw  vap.öVt  OTt  xipriem  /iyw  •  Er  hat  sich  also  die  Erklärung
leicht  gemacht,  indem  er  rö  am  pispog  einfacli  in  der  Geltung  von
am  und  öoxw  =  videor  nahm;  denn  vop.iCeig  —  öoxtü  am.  Diese
Auffassung  ist  so  abgeschmackt,  als  man  sich  nur  denken  kann.  Es
soll  nach  ihr  Teiresias,  derselbe  Teiresias,  der  schon  dreimal  vor
V.  1061  (nämlich  1037,  1035,  1039)  den  Vorwurf  der  Bestechlichkeit ­
  und  Gewinnsucht  zu  hören  bekam,  jetzt  (etwa  mit  Verwunderung
oder  mit  schmerzlicher  Entrüstung?)  fragen  oörw  r jap  ö  ör,  xai
vopileig.  oti  eni  xiposai  l  Hätte  der  Scholiast  nicht  aus  Willkür
oder  Nachlässigkeit  vjöVj  ignorirt,  so  hätte  er  auf  diese  Erklärung
nicht  verfallen  können.
Doch  vielleicht  thun  wir  dem  Scholiasten,  den  Dindorf  wegen
seiner  Erklärung  belobt,  Unrecht?  vielleicht  bietet  seine  Bemerkung
die  Auffassung  dar,  welche  Dindorf  für  die  richtige  hält:  „Significat
bis  verbis  Tiresias  ea  se  esse  dicturum  quae  nihil  lucri  ab  Creonte  ei
allatura  sint“.  Dass  die  Bemerkung  des  Scholiasten  nicht  diesen  Sinn
haben  kann,  geht  aus  Äsycn  hervor;  er  hätte  ja  sonst  lißm  sagen
müssen.  Ausserdem  würde  er  sicher  rö  am  p.ipog  nicht  ignorirt,
sondern  in  seiner  Paraphrase  wiedergegeben  haben.  Offenbar  geht  bei
dem  Scholiasten  rö  aöv  pipog  in  vop.i£eig  auf.  —  Die  Auffassung  Dindorf ­
  s  ist  nicht  so  abgeschmackt,  wie  die  des  Scholiasten;  sie  ist  auch
sprachlich  zulässig  [oöroj  =  ini  xepveaiv,  dazu  )j£e’.v  zu  ergänzen,
r/o-rj  xai  —  bereits  sogar,  öcxcö  =  vi  d  eo  r,  rö  am  [lipog  —  änö
aaü  (eni  xipbeaiv  dnrö  aoü  =  xipdv  ßo’jlopeyog  XaßeTv  dnö  aov)  |
aber  doch  in  hohem  Grade  matt  und  unpassend.  Der  Sinn  wäre  nämlich: ­
  „Scheint  es  denn  (dir)  bereits  sogar,  dass  ich  sprechen  werde,
um  von  deiner  Seite  Gewinn  zu  erlangen“  oder,  falls  Dindorf  oöreo
nicht  in  dieser  Weise,  sondern  als  Ausdruck  der  Indignation  aufgeiasst
  hat:  „So  scheint  es  denn  (dir)  bereits  sogar“  u.  s.  w.  Man
braucht  nur  diese  treue  Übersetzung  anzusehen,  um  sofort  das  Unpassende ­
  wahrzunehmen.  Was  läge  denn  in  den  Worten  Kreon’s
„heraus  damit,  nur  hoffe  nicht  von  mir  Gewinn“  (so  müsste  nach
Dindorf  eni  xipdeaiv  aufgefasst  werden),  was  einen  so  besonders
hohen  Grad  der  Verwunderung  oder  des  Unwillens  (r,öv;  xai)  hervoiTufen
  sollte?  Gesetzt  dass  Teiresias  gewinnsüchtig  gewesen  wäre,
hätte  es  dann  ein  grösseres  Vergehen  sein  sollen,  wenn  er  von  dem
Herrscher  Kreon,  als  wenn  er  von  Anderen  hätte  profitiren  wollen?
            
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