Beiträge zur Kritik und Erklärung des Sophokles.
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Sophokles durch einen lapsus memoriae sieh in einen Widerspruch
verwickelt (was mir ganz unwahrscheinlich ist) oder es isl V. 23
eorrupt, wie ja V. 24 ganz entschieden corrupt ist. Dass V. 23 nicht
ganz richtig überliefert ist, geht wohl auch aus V. 314. 316 hervor.
Kreon spricht ja doch wohl hier von einer von Seiten der Antigone
stattgefundenen Betheiligung an der Bestattung des Eteokles; folglich
konnte Antigone V. 23 nicht sagen, was die Überlieferung sie sagen
lässt.
Dass die Interpolation erst mit V. 903 beginnt, dafür kann man
als ein nicht unerhebliches Moment auch den Umstand anführen, dass
erst hier sich eine offenbare Störung des Zusammenhanges darbietet.
An V. 904 ist nämlich das Folgende unpassend durch yap angefügt,
wie Andere schon bemerkt haben.
Es erübrigt nur noch, mit einigen Worten Göttling’s Vermuthung
(de loco Antigonae vv. 866—879 [d. i. 902 — 913] commentatio,
Jena 1833) zu berühren. Göttling wollte von der Überlieferung so
viel als möglich retten und glaubte blos durch Tilgung der Verse
908. 909. 910. und durch folgende Änderung des Verses 912: oöx
egt' doshp 6 v oGzig du ädnroi kote alle Bedenken behoben zu
haben. Den Sinn der Stelle erläutert er in folgender Weise: „Mulicri
sane täte quid omniuo non audendum fuit contra leges civitatis,
nisi leges pietatis et familiae id iussissent, quae omnibus aliis legibus
anteponendae sunt. Et certe non l'acile ausa fuissem, si mater fuissem
tiiiumque amisissem (poteram enim hoc pietatis officium marito relinquere,
ad eum enim, nt virum et fortioris sexus hominem, proprie ex
lege äyX'LGTEi.ag hoc officium pertinuit) neque facile ita lecissem
marito orbata (poteram enim hoc pietatis officium vel filiis relinquere
vel parentibus vel omniuo agnatis mariti ad quos proxime id officium
pertinebat). Nunc autem quum, mortuis parentibus (ad quos hoc
pietatis officium proprie pertinuisset), sola relicta sim, mihi quanquam
mulieri necessario sepeliendus fuit frater, quod praeter me nemo est,
qui eum sepultura coudat“. Gegen diese Vermuthung und Auffassung
sprechen so viele und gewichtige Gründe, dass sie als eine durchaus
unwahrscheinliche und auch unmögliche bezeichnet werden muss.
Ein Hauptgrund ist der, dass die Ergänzungen, die Göttling verlangt
und die notlnvendig vorgenommen werden müssten, wenn sich überhaupt
ein Sin“ ergeben sollte, unmöglich sind; Göttling gab sich
einer Illusion hin, wenn er behaupten zu können glaubte: „Quae ego