Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 50. Band, (Jahrgang 1865)

*
Beiträge  zur  Kritik  und  Erklärung  des  Sophokles.  663
scharf  gezogen,  der  Unterschied  nicht  streng  beobachtet  wird,  so
könnte  auch  bei  x<xpiv  oder  npbg  y_äpiv  die  ursprüngliche  Bedeutung
verwischt  worden  sein.

II.
Während  die  Mehrzahl  der  Gelehrten  gegenwärtig  gewiss  in  der
Athetese  der  von  Jacob  als  unecht  erkannten  Verse  ühereinstimmt,
herrschen  bezüglich  einer  befriedigenden  Heilung  der  Stelle  grosse
Differenzen;  die  Frage,  in  welcher  Gestalt  die  Rede  der  Antigone
aus  Sophokles’  Hand  hervorgegangen  sei,  wird  von  verschiedenen
Gelehrten  sehr  verschieden  beantwortet.  Hier  muss  nun  zuvörderst
bemerkt  werden,  dass,  wenn  es  auch  niemals  gelingen  sollte  auf  diese
Frage  eine  überzeugende  Antwort  zu  gehen,  dennoch  Niemand  das
Recht  hätte,  diesen  Übelstand  als  Argument  zur  Rettung  der  von
Jacob  beseitigten  Verse  (wenigstens  der  Verse  DOS—912)  hervorzukehren. ­
  Mit  Unrecht  haben  Wex,  Hermann,  Böckh,  Göttling  <)
gegen  Jacob  geltend  zu  machen  gesucht,  dass  er  die  sutura  nicht
angeben  könne.  Nicht  immer  ist  die  Kritik  in  der  glücklichen  Lage
das  Sprichwort  6  rptxtaag  xat  iäaerac  zur  Verwirklichung  zu  bringen.
Es  beruht  jenes  gegen  Jacob  hervorgehobene  Argument  auf  der
Annahme,  dass  der  Interpolator  zwischen  die  Verse  des  Sophokles,
o  h  n  e  dass  ei  n  ei  nziger  s  op  h  okl  ei  s  c  h  er  Vers  a  usfi  el  o  der
irgend  eine  Änderung  erfuhr,  eine  Anzahl  von  selbstgeschmiedeten ­
  Versen  hätte  einfügen  müssen.  Aber  kann  denn  nicht  ein  oder
der  andere  echte  Vers  verdrängt  worden  sein?  kann  der  Interpolator
nicht,  um  eine  Verbindung  seines  Products  mit  den  sophokleischen
Versen  zu  bewirken,  einen  oder  den  anderen  echten  Vers  seinem
Zwecke  gemäss  umgestaltet  haben?  Nur  dann,  wenn  bewiesen  würde,
dass  diese  Möglichkeiten  ausgeschlossen  sind,  wäre  man  berechtigt
zu  argumentiren:  Jacob  konnte  die  sutura  nicht  angehen,  andere
Gelehrte  vermögen  es  auch  nicht  mit  Evidenz  zu  tliun;  also  muss

1 )  Göttling  sagt  z.  B.  :  „Ipse  Jaeobus  non  potuit  indicare,  quo  loco,  si  interpolati  sint
versus,  sutura  latent  et  quomodo,  ut  recte  Wexius  djcit,  omisso  illo  dicto  orafionis
  membra  apte  eonciliari  possint“.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.