Beitrüge zur Kritik und Erklärung des Sophokles.
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natürlich die Worte ei Toüd’ ■n\s.nho.v.ov als Nachbildung von Herodot's
Worten ei raörcc äKoßdAot/xc angesehen werden, woraus eben die
Beziehung von roöö’ auf -aig sich ergibt. Ein anderer Grund für
diese Beziehung ist der, dass doch auch der Verlust des Kindes erwähnt
werden muss, wie der Verlust des Gatten im vorhergehenden
Verse ausdrücklich bezeichnet ward.
Wenn nun unter roüo’ das (frühere) Kind zu verstehen ist, so
muss man mit Verwunderung fragen und man hat wirklich so gefragt:
„Warum dn all ov epcoröj? warum nicht von demselben Manne?“
ßöckh nahm auch an dieser Seltsamkeit keinen Anstoss, sondern er
hielt gerade diese Voraussetzung, dass das Kind vom ersten Gatten
nach dem Verlust des ersten Gatten stirbt, für recht zweckmässig,
weil dadurch die Behauptung „geschärft“ werde. „Der Einwurf . . .
Gur non ab eodem? hebt sich nach Antigone’s Rede von selbst,
weil sie den Gatten schon als todt voraussetzt, von dessen Tode mit
Absicht zuerst gesprochen war, um die Behauptung dahin zu schärfen,
dass sie selbst nach dem Verluste des Gatten von einem andern einen
Sohn bekommen könnte“. Also die in den Worten nioig [j.ev dv p.oi
y.aräavövrog äXhog r,v gemachte Voraussetzung soll im folgenden
Verse stillschweigend als Vorbedingung angenommen werden! Wie
ungeschickt dies ist, lässt sich leicht beweisen. Der Verfasser hat im
V. 90S und 906 eine Alternative hingestellt mit ovre—güte. Mit
V. 909 beginnt die Begründung. Die Worte noaig — dllog ov beziehen
sich auf das zweite Glied der Alternative (Chiasmus); folgerichtig—
soweit überhaupt bei der Abgeschmacktheit dieser ganzen Partie von
einem andern Gewährsmanne, als dem Ilerodot, verdanke, ist an und für sich und
auch wegeu des unverkennbaren Zusammenstimmens der Form unwahrscheinlich.
Nimmt man dagegen an, dass die Stelle in der Antigone Nachbildung von Herodot’s
Erzählung ist, dann erklärt sich ihre Ungeschicklichkeit und Widersinnigkeit ziemlich
leicht. Der Interpolator fand zwischen der Gattinn des Intaphernes und Antigone
eine Ähnlichkeit (Bruderliebe), und da ihm die hei Herodot sich findende Motivirung
interessant schien und ausnehmend gefiel, so wandte er sie auch an, übersah
aber in seinem blinden Eifer, das sophokleische Drama um ein pikantes Moment
zu bereichern, dass zwischen beiden Situationen doch ein wesentlicher Unterschied
stattfindet, der das Herübernehmen von Herodot’s Motivirung nicht gestattet. Die
Gattinn des Intaphernes bethätigt ihre Liebe zu einem lebenden Bruder, der
gerettet werden konnte, mit Hintansetzung ihres Gatten und ihrer Kinder, aus dein
Grunde, weil sie keinen anderen Bruder bekommen konnte, falls dieser stürbe.