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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 50. Band, (Jahrgang 1865)

Beitrüge  zur  Kritik  und  Erklärung  des  Sophokles.

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natürlich  die  Worte  ei  Toüd’  ■n\s.nho.v.ov  als  Nachbildung  von  Herodot's
Worten  ei  raörcc  äKoßdAot/xc  angesehen  werden,  woraus  eben  die
Beziehung  von  roöö’  auf  -aig  sich  ergibt.  Ein  anderer  Grund  für
diese  Beziehung  ist  der,  dass  doch  auch  der  Verlust  des  Kindes  erwähnt ­
  werden  muss,  wie  der  Verlust  des  Gatten  im  vorhergehenden
Verse  ausdrücklich  bezeichnet  ward.
Wenn  nun  unter  roüo’  das  (frühere)  Kind  zu  verstehen  ist,  so
muss  man  mit  Verwunderung  fragen  und  man  hat  wirklich  so  gefragt:
„Warum  dn  all  ov  epcoröj?  warum  nicht  von  demselben  Manne?“
ßöckh  nahm  auch  an  dieser  Seltsamkeit  keinen  Anstoss,  sondern  er
hielt  gerade  diese  Voraussetzung,  dass  das  Kind  vom  ersten  Gatten
nach  dem  Verlust  des  ersten  Gatten  stirbt,  für  recht  zweckmässig,
weil  dadurch  die  Behauptung  „geschärft“  werde.  „Der  Einwurf  .  .  .
Gur  non  ab  eodem?  hebt  sich  nach  Antigone’s  Rede  von  selbst,
weil  sie  den  Gatten  schon  als  todt  voraussetzt,  von  dessen  Tode  mit
Absicht  zuerst  gesprochen  war,  um  die  Behauptung  dahin  zu  schärfen,
dass  sie  selbst  nach  dem  Verluste  des  Gatten  von  einem  andern  einen
Sohn  bekommen  könnte“.  Also  die  in  den  Worten  nioig  [j.ev  dv  p.oi
y.aräavövrog  äXhog  r,v  gemachte  Voraussetzung  soll  im  folgenden
Verse  stillschweigend  als  Vorbedingung  angenommen  werden!  Wie
ungeschickt  dies  ist,  lässt  sich  leicht  beweisen.  Der  Verfasser  hat  im
V.  90S  und  906  eine  Alternative  hingestellt  mit  ovre—güte.  Mit
V.  909  beginnt  die  Begründung.  Die  Worte  noaig  —  dllog  ov  beziehen
sich  auf  das  zweite  Glied  der  Alternative  (Chiasmus);  folgerichtig—
soweit  überhaupt  bei  der  Abgeschmacktheit  dieser  ganzen  Partie  von

einem  andern  Gewährsmanne,  als  dem  Ilerodot,  verdanke,  ist  an  und  für  sich  und
auch  wegeu  des  unverkennbaren  Zusammenstimmens  der  Form  unwahrscheinlich.
Nimmt  man  dagegen  an,  dass  die  Stelle  in  der  Antigone  Nachbildung  von  Herodot’s
Erzählung  ist,  dann  erklärt  sich  ihre  Ungeschicklichkeit  und  Widersinnigkeit  ziemlich
leicht.  Der  Interpolator  fand  zwischen  der  Gattinn  des  Intaphernes  und  Antigone
eine  Ähnlichkeit  (Bruderliebe),  und  da  ihm  die  hei  Herodot  sich  findende  Motivirung
  interessant  schien  und  ausnehmend  gefiel,  so  wandte  er  sie  auch  an,  übersah ­
  aber  in  seinem  blinden  Eifer,  das  sophokleische  Drama  um  ein  pikantes  Moment
zu  bereichern,  dass  zwischen  beiden  Situationen  doch  ein  wesentlicher  Unterschied
stattfindet,  der  das  Herübernehmen  von  Herodot’s  Motivirung  nicht  gestattet.  Die
Gattinn  des  Intaphernes  bethätigt  ihre  Liebe  zu  einem  lebenden  Bruder,  der
gerettet  werden  konnte,  mit  Hintansetzung  ihres  Gatten  und  ihrer  Kinder,  aus  dein
Grunde,  weil  sie  keinen  anderen  Bruder  bekommen  konnte,  falls  dieser  stürbe.
            
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