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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 50. Band, (Jahrgang 1865)

Beiträge  zur  Kritik  und  Erklärung  des  Sophokles.

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für  unecht  erklärt  hat,  wenigstens  gewiss  905—912,  nicht  zu  retten,
und  es  ist  verlorene  Mühe,  wenn  Scharfsinn  und  Gelehrsamkeit  auf
Vertheidigung  derselben  verwandt  worden  sind.  Es  dürfte  nicht  unzweckmässig ­
  sein,  die  stichhaltigen  Gründe,  die  von  Jacob  und
anderen  Gelehrten  zu  Tage  gefördert  worden  sind,  hervorzuheben  und
zusammenzustellen;  denn  es  lässt  sich  nicht  läugnen,  dass  aus  übermässigem ­
  Eifer  manche  Gründe  gegen  die  Echtheit  vorgebracht
worden  sind,  auf  welche  von  den  Vertheidigern  der  Überlieferung
leicht  geantwortet  werden  konnte  und  geantwortet  worden  ist.  Zu
diesen  nicht  stichhaltigen  Gründen  rechne  ich  z.  B.  das,  was  Jacob
S.  20  sagt:  „Indess  jene  Verse  passen  auch  sonst  nicht  in  unsere
Tragödie.  Denn  abgesehen  von  ihrer  Unwürdigkeit  für  Antigone  und
von  dem  Widerspruch,  in  welchem  sie  mit  ihrer  ganzen  Natur  stehen:
so  bedurfte  doch  gewiss  Antigone  für  sich  selbst  keiner  Rechtfertigung
ihrer  Handlung,  deren  Beschluss  im  Augenblick  aus  ihrer  Seele,  fest
und  nicht  berührt  von  irgend  einem  Zweifel,  hervorgegangen  war
(31  ff.).  Vor  Kreon  aber,  der  überdies  hier  nicht  zugegen  ist  und  der
überall  von  ihr  so  geringschätzig  behandelt  wird,  sich  nochmals
und  zumal  so  kläglich  zu  rechtfertigen,  hätte  sie  für  die  bitterste
Schmach  und  Erniedrigung  ihrer  selbst  halten  müssen“  u.  s.  w.
Eben  so  leicht  ist  es  nachzuweisen,  dass  es  kein  haltbarer  Grund  ist,
wenn  man  sagt:  „Und  wie  kann  Ant.  sagen,  lebten  ihre  Eltern  noch,
so  könnte  ihr  wohl  noch  ein  Bruder  beschert  werden,  nachdem  sie
862  ff.  die  Aiy.Tpwv  ärai,  aus  denen  sie  selbst  entsprossen,  bejammert
hat“  (Schneidewin).  Vollends  schwach  ist  der  sprachliche  Grund:
srr/xsro  seltsam,  da  er.  nur  heissen  kann  tabesceret,
hinsiechte,  nicht  aber  =  iTivSero,  wie  der  Leichnam  des  Polyneikes“
  (ebend.).  Es  hat  neulich  ein  Gelehrter  dies  Bedenken  durch  die
Conjectur  iar,nero  beheben  wollen,  ganz  ohne  Noth;  denn  es  unterliegt ­
  keinem  Zweifel,  dass  r'r,v.za5ou,  bei  welchem  Verbum  sich  aus
der  ursprünglichen  Bedeutung  „zerschmelzen,  zerfliessen“  die  Bedeutung ­
  „schwinden“  entwickelt  hat,  eben  zufolge  dieser  Bedeutung
auch  von  der  Verwesung  gebraucht  werden  konnte.
Die  stichhaltigen  Gründe,  die  gegen  die  Echtheit  der  betreffenden
Verse  geltend  gemacht  worden  sind,  sind  folgende:
1.  „Offenbar  hätte  Antigone  einmal  unwahr  sein  müssen,  entweder ­
  in  ihrer  letzten  Äusserung,  dass  sie  allerdings  in  gewissen
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