Beiträge zur Kritik und Erklärung des Sophokles.
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ruhig hingenommen haben, und statt an V. 856 anzuknüpfen, würde
sie ihre That vertheidigt haben; denn das hasst sich doch nicht
annehmen, dass Antigone jetzt erkenne, sie habe gefehlt, und dass
sie desshalb stillschweigend dem Chore Recht gehe; vgl. 904,
921—928, 943.
Wie soll also V. 853—855 aufgefasst werden ? Zwei Puncte
lassen sich wohl mit Sicherheit feststellen. Die Worte öi|mA6v ig
At'xrj? ßäS-pGv sind nicht mit npoaineasg zu verbinden »), sondern
als eine zu jvpoßäa gehörige, mit in iayjxrov Späaovg parallele Bestimmung
aufzufassen. Ferner lässt sich, was den hier erforderlichen
Gedanken im Allgemeinen betrifft, behaupten, dass der Chor sagt:
„Vorgeschritten auf den Gipfel der Kühnheit, auf der Dike hohe
Stufe, hist du in’s Unglück gestürzt“, d. i. „während du der Dike
Gebot kühn erfülltest, stürztest du in’s Unglück“. Und als Erklärungsgrund
dafür, dass Antigone bei der Ausübung eines der Dike gefälligen
Werkes in’s Unglück stürzte, wird hinzugefügt narpüov 4’
ixrivsig riv’ aälov.
Was aber die Constituirung des Textes betrifft, lassen sich
zwar viele Vermuthungen aufstellen, aber mit Entschiedenheit kann
man nichts behaupten. Die handschriftliche Überlieferung npoaineosg
i co zexvov, nolv (ttoÄOv) ist schwerlich haltbar. Würde npoa-7T!7rr£tv,
wie zuweilen ränrsiv (vgl. 474, El. 429), absolut in der
Bedeutung „stürzen“ d. i. metaphorisch „in Unglück gerathen“ genommen
werden können, dann brauchte man allerdings nichts zu
ändern; denn nolv wäre sprachlich vollkommen zulässig 2) und
durchaus nicht „sinnlos“; es wäre Tcpooninrnv noXü = schwer
1 ) Diese Verbindung’ und Ausdrucksweise wäre auch, wenn wir von den beiden oben
angeführten Gründen absehen, anstössig. Denn gesetzt einmal, dass der Chor die
That der Antigone rügen wollte, hätte er sich dieses übertrieben starken Ausdrucks
„du hast dich gestürzt auf den Thron der Dike“ bedienen können ?
2 ) Allerdings wird 7toXu in adverbialer Geltung gewöhnlich mit dem Comparativ
oder Superlativ oder mit Verben, denen ein comparativischer Begriff innewohnt
(wie (pSaveiv, Kpoj3ai'vetv, dictcpipsiv u. a.), verbunden, aber es findet sich doch
auch zuweilen bei anderen Verben in der Bedeutung pAXcc. Vgl. Soph. Ai. 1382
xal [m’ e'ipEvaag iXnidoc, noXv. II. 19, 113 noXXdv Fiat. Symp. 223 B.
xara&Xfj^sTv rcavu noXv. Bahr. 124, 6 cjjp.w£e noXXov. Auch sprechen Stellen, wie
Aesch. Prom. 41 ov zovzo dEip.aivEig ir X i o v ; Soph. 0. II. 612 ßiozov, ov
7rXec(7rov <ptXet für die Zulässigkeit von noXv in solchen Fällen.
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