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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 50. Band, (Jahrgang 1865)

Beiträge  zur  Kritik  und  Erklärung'  des  Sophokles.

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schaitlich.  Wenn  man  nun  in  einer  solchen  Weise.,  mit  Wiederholung
des  im  ersten  Gliede  gesetzten  Wortes,  vom  allgemeinen  zum  besonderen ­
  herabsteigt,  darf  das  beiden  Gliedern  gemeinschaftliche
Wort  im  zweiten  Gliede  kein  Epitheton  erhalten.  Es  wird  gewiss
einem  jeden  sein  eigenes  Gefühl  sagen,  dass  eine  solche  Ausdrucksweise, ­
  wie  „o  Stadt,  o  ihr,  der  reichen  Stadt  Männer!“  das  Ohr
unangenehm  berührt,  gerade  so  wie  wenn  man  z.  B.  sagen  wollte:
„0  Stadt,  o  der  herrlichen  Stadt  Tempel!“  Dies  gilt  übrigens  nicht
blos  von  Exclamationen;  eben  so  unangenehm  würde  das  Ohr  z.  B.
durch  folgende  Ausdrucksweise  berührt  werden:  „Ich  bewundere  die
Stadt  und  besonders  der  herrlichen  Stadt  Tempel“  oder  „er  hat  mir
den  Krieg  und  des  verderblichen  Krieges  Drangsale  geschildert“.
Man  erwartet  vielmehr  bei  einem  solchen  Anschlüsse  „ich  bewundere
die  Stadt  und  besonders  der  Stadt  Tempel“  u.  s.  f.

Y.  853  ff.
npoßäa’  in’  scr^arov  Spaaövg
ig  Aua.g  ßaSpov
nponinsGsg,  to  rixvov,  nolO.
narp&ov  cT  iy.ri.vsig  uv’  uSlov.
L  und  Lb  no'AOv,  die  übrigen  Handschriften  nolO.
Irrig  ist  die  allgemein  verbreitete  Ansicht,  dass  der  Chor  hier
der  Antigone  eine  Rüge  ertheile  und  ihr  zu  Gemiithe  führe,  sie  habe
die  Dike  schwer  verletzt.  Am  entschiedensten  wird  diese  Ansicht ­
  in  Schneidewin’s  Ausgabe  entwickelt.  „Der  Chor  ist  ungehalten,
dass  Ant.  die  Quelle  ihres  Missgeschicks  verschweigt.  Daher  führt  er
ihr  in  den  stärksten  Ausdrücken  zu  Gernüth,  dass  sie  die  Dike  schwer
verletzt  habe,  d.  h.  die  Göttinn,  welche  darüber  wacht,  dass  durch
Gehorsam  gegen  die  Obrigkeit  Recht  und  Ordnung  im  Staate  bestehe.“
Und  weiter:  „Vorgeschritten  auf  den  Gipfel  des  Trotzes
hast  du  dich  auf  den  Thron  der  Dike  gestürzt,  ein  Ausdruck, ­
  den  der  Chor  desshalb  wählt,  weil  Ant.  451  feierlich  sich  auf
Seite  der  Dike  gestellt  hatte.“
Ist  es,  fragen  wir,  denkbar,  dass  der  Chor  hier  Antigone  rügt,
sie  habe  die  Dike  schwer  verletzt  durch  ihren  Ungehorsam  gegen
die  Obrigkeit,  da  doch  dieser  Ungehorsam  gegen  die  Obrig-
            
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