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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 50. Band, (Jahrgang 1865)

Beiträge  zur  Kritik  und  Erklärung  des  Sophokles.

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ausspräche,  durch  den  Zusammenhang,  in  welchem  doch  736  mit
den  vorausgehenden  Versen  stehen  muss,  unbedingt  ausgeschlossen
wird.  Ich  brauche  hier  nur  auf  die  diesen  Punct  betreifende  unwiderlegliche ­
  Auseinandersetzung  Bonitz's  (S.  U5)  zu  verweisen.  Es  ist
aber  auch  dann,  wenn  wir  von  dem  Gedankenzusammenhange  absehen,
  undenkbar,  dass  Sophokles  dem  Kreon  die  entsetzlich  egoistische ­
  Äusserung  „soll  ich  denn  etwa  für  einen  andern  als  für  mich
über  dies  Land  herrschen?“  d.  i.  „soll  ich  bei  meinem  Herrschen  für
einen  anderen  als  für  mich  sorgen?“  in  den  Mund  hätte  legen  sollen.
Dieser  Kreon,  der  den  Staat  als  seine  Melkkuh  betrachten  würde,  ist
eine  Caricatur  des  sophokleischen  Kreon.  Der  sophokleische  Kreon
ist  ein  Herrscher,  der  keines  anderen  Menschen  Meinung  hören  will,
weil  er  die  unerschütterliche  Überzeugung  hat,  dass  er  selbst  es  am
besten  verstehen  müsse,  wie  er  seine  Herrschaft  ausüben  solle;  zugleich ­
  glaubt  er  aber,  dass  die  Weise,  in  welcher  er  herrschen  zu
sollen  glaubt,  die  für  das  Gemeinwohl  erspriessliehste  ist;  er  will  nach
eigenem  Gutdünken,  aber  nicht  lediglich  zu  seinem  Vorthei),  ohne
sich  um  den  Vortheil  der  Bürger  zu  kümmern,  herrschen,  ’Eyoj  ydo
(sagt  er  184  ff),  tarw  'Ltug  6  nduä'  opöiv  ad,  out'  äv  ai.o)7iriaai.ixi
tvjv  octz/V  opöjv  ardyouaav  daToXg  äuri  Tf,g  aojTr,piag,  out'  av  (pl.’Xoo
KOT  duopa  duapuvr)  ySovdg  3dixr,v  i[xauTÜ),  tovto  yiyvtöoxoov  öti  rjrY
ioriv  •//  aojCouaa,  nai  Taurog  im  nAiovTsg  öpSrjg  Toug  (piloug  tzoiouij.säa.
  Vgl.  209  f.  Diesen  Kreon  konnte  Sophokles  auch  in  der  Hitze
des  Wortwechsels  nicht  jene  Äusserung  des  schmutzigsten  Egoismus
tlnin  lassen.
Dass  die  strenge  und  ausschliessliche  Auffassung  der  Dative
a/J.tp  und  ip.oi  als  Dative  des  Vortheils  misslich  ist,  haben  die  Herausgeber ­
  auch  gefühlt  und  desshalb  bei  der  Paraphrase  unter  Zugrundelegung ­
  des  Begriffes  „zum  Vortheil“  einen  ganz  anderen  Begriff  einsehieben
  zu  sollen  und  einschieben  zu  können  gemeint.  So  paraphrasirt
  Hartung  den  Vers:  „er  will  regieren  für  sich,  nach  seinem
Gutdünken  und  zu  seinem  Vortheil:  car  tel  esl  nötre  plaisir“.
Indem  er  also  die  Aulfassung  „für  sich,  zu  seinem  Vortheil“  zu
Grunde  legt,  schiebt  er  plötzlich  den  Begriff  „nach  seinem  Gutdünken“
ein;  und  dass  er  auf  diesen  hauptsächlich  Gewicht  gelegt  wissen
wollte,  geht  aus  der  Hinzufügung  der  Worte  „car  tel  est  notre  plaisir“ ­
  hervor.  Es  bedarf  keines  Beweises,  dass  diese  Unterschiebung
unberechtigt  ist.  Dieselbe  Unterschiebung  erlaubt  sich  Nauck,  wenn
            
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