Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 50. Band, (Jahrgang 1865)

Die  griechischen  und  türkischen  Bestandteile  im  Romanischen

S8S
den  politischen  Verhältnissen  —  weniger  Türkisches  in  sich  eindringen
  lassen  als  die  neugriechische,  und  ungleich  weniger  als  die
serbische,  deren  türkisches  Contingent  man  auf  ein  Fünftel  des  ganzen
Wörteryorraths  geschätzt  hat.  Durchaus  keinen  Einfluss  nahmen  auf
das  Romanische  jene  älteren  ausgestorbenen  türkischen  Sprachen,
deren  Herrschaft  in  den  Donauländern  lange  genug  währte,  das  Ohasarische ­
  und  Komanische.  Namentlich  in  Beziehung  auf  letzteres  lässt
sich  an  der  Hand  jenes  Wörterbuches,  das  eine  seltene  Gunst  des
Zufalls  uns  erhalten  hat,  diese  Behauptung  auf  das  überzeugendste
erweisen. 1 )
Wie  aber  in  der  türkischen  oder  besser  osmanischen  Sprache
die  heterogenen  Sprachkreise  des  Semitischen,  Arischen  und  Altaischeu
  zu  einer  seltsamen  Mischung  zusammengeflossen  sind,  deren
Bestandtheile  Arabisch,  Persisch  und  Türkisch  ein  interessantes
Abbild  politischer,  religiöser  und  literarischer  Bewegungen  bieten,
so  ist  auch  der  türkische  Beisatz  im  Rumänischen  aus  den  drei
Factoren  des  Osmanischen  gebildet.  Auch  im  Romänischen,  dem
östlichsten  romanischen  Idiom,  erscheinen  die  Klänge  Arabiens  wie
in  dem  westlichen  Sprachzweige,  im  Spanischen.  So  deuten  auch
die  Sprachen  wieder  auf  jene  grosse  südliche  Curve  hin,  mit
welcher  der  arabische  Islam  Europas  Glieder  umspännte.  Nur  isl
im  Spanischen  die  Aufnahme  des  Arabischen  eine  reichere  gewesen ­
  und  sie  geschah  dort  unmittelbar;  im  Romänischen  vollzieht
sie  sich  nur  durch  das  Medium  des  türkischen  Mundes,  also  gemäss
türkischer  Aussprache  und  mannigfacher  Umprägung  der  Bedeutung.
Wenn  wir  aber  auf  die  Quantität  arabischer  Lehnworle  Bedacht
nehmen,  so  stellt  sich  das  Romänische  zwischen  das  Spanische  mit
dem  reichsten  und  das  italienische  mit  dem  geringsten  Antheil
unter  den  romanischen  Sprachen.
Bei  diesem  Übergänge  türkischer  Wortformen  auf  das  romanische ­
  Sprachgebiet  sind  keine  durchgreifenden  Lautumwandlungen
wahrnehmbar;  nur  jene  leichten  Abänderungen,  die  man  das  Mundgerechtmächen ­
  nennt,  und  die  in  dem  gegenseitigen  Austausch  fremder ­
  Sprachen  immer  mitspielen,  treten  hie  und  da  auf.  So  behandelt
das  Romänische  die  s-Laute  des  Arabischen  noch  nachlässiger  als  das
Türkische;  schon  dem  Türken  vcrfliesscn  die  Unterschiede  von
0  Vocabulaire  Latin,  persan  ct  roman  de  la  biblioihequc  de  Francesco  Petrarca  in
Kläproth.  Mcmoires  relatifs  «  l'Asie  111,  113—234.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.