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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 50. Band, (Jahrgang 1865)

l)r.  E.  R.  Roesler,  Die  griech.  u.  türk.  Bestaudtheile  iro  Romanischen.  559

Die  griechischen  und  türkischen  Bestaudtheile  im  Romanischen
von  Dr.  E.  Robert  Roesler.
Allgemeines.
Die  romanische  oder  walachische  Sprache,  die  östlichste  des
grossen  Familienkreises  der  romanischen  Sprachen,  der  den  schönsten
Theil  Europa’s  erfüllt,  hat  sich  entsprechend  ihrer  isolirten  Lage
sehr  abweichend  von  ihren  anderen  Schwestern  entwickelt.  Originell
wie  sie  sich  zeigt,  steht  sie  ihnen  an  Reiz  nach  und  erreicht  sie
lange  nicht  in  Cultur  und  Geltung  in  der  Welt.
Bis  in  die  neueste  Zeit  sind  Forscher  selten  an  sie  herangetreten, ­
  sie  blieb  ein  Stiefkind  der  gelehrten  Thätigkeit.  Aber  man
erinnerte  sich  des  Versäumten.  Nachdem  man  die  Lautverhältnisse
des  Romänischen  und  seine  Stellung  zum  Latein  festgestellt  hatte,
ging  man  an  die  dornige  Untersuchung  seiner  vielfältigen  Bestandteile, ­
  welche  diese  Sprache  für  den  ersten  Blick  so  seltsam  erscheinen ­
  lassen  und  ihr  ein  so  charakteristisches  Gepräge  leihen.  Hierbei
ist  Anlass  zu  einigen  allgemeinen  Beobachtungen.
Während  alle  romanischen  Sprachen  in  höherem  oder  niederem
Grade  altgermanische  Elemente  in  sich  aufgenommen  und  zu  ihrem
Eigenthum  umgeformt  haben,  entbehrt  allein  die  romänische  in  überraschender ­
  Weise  jene  Denkmäler  aus  der  Periode  germanischer
Völkerwanderung,  denn  die  deutschen  Worte,  die  ihr  gegenwärtig
angehören,  sind  durchaus  moderne  Entlehnungen,  und  wie  sie  zum
Theil  aus  den  sächsischen  Dialekten  Siebenbürgens  sich  ahleiten,
bleiben  sie  auch  auf  einzelne  Dialektgehiete  beschränkt').
*)  Diese  wichtige  Thatsache  vermuthete  zuerst  F.  Diez  (Romanische  Grammat.  I,
65,93),  bestimmter  wurde  sie  ausgesprochen  von  Fr.  Mi  kl  o  sich  (Die  slavischen
Elemente  im  Rumunisclien,  p.  11)  und  wir  sind  nur  in  der  Lage,  diese  Beobachtung
zu  bestätigen.  Im  geraden  Gegensätze  zu  diesem  hat  K.  Schüller  die  unhaltbare
            
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