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Z i n g e r 1 e
Die Verse:
wan mit klage nieman kan
sin not überwinden G. XII, 2
klingen an folgende an:
die wisen hoere ich alle iehen,
daz trüren harte wenic tüge
und nieman überwinden müge
mit clage sinen smerzen. Trj. Kr. 23484.
Diese Stelle wäre für die Zeit der Abfassung des Garei bedeutungsvoll,
wenn nicht beide Dichter ein älteres bekanntes Sprichwort
im Auge gehabt hätten. Allein nicht nur mit höfischen Dichtern
scheint Pleier vertraut gewesen zu sein, sondern auch mit der deutschen
Heldensage. Die Namen Albewin, Helferich, Fidegarte (ähnlich
der Vodelgarte im Eckenlicde), Ammilöt haben echt deutschen
Klang und mahnen an Gestalten der Heldensage. Die Stellen von der
Tarnkappe und ihrem Besitzer, von den waffenschmiedenden Zwergen
und den von Riesen bedrängten wilden Fräulein gehören der
deutschen Sage an. Dies eben scheint mir ein Verdienst unsers
Dichters zu sein, dass er nicht einseitig dem fremden Vorhilde folgt,
sondern volksthümliche, einheimische Stoffe auch herbeizieht und
in das Gedicht verwebt. Derartige Züge behandelt er gewandter und
mit grösserem Behagen, denn er scheint sich hier freier, ohne den
Zwang der äventiure, bewegen zu können. Die so oftmalige, beinahe
ängstliche Berufung auf seine Quelle maskirt wohl manchmal nur
das freiere Sichgehenlassen. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass
Pleier, wenn auch kein poetisches Talent, doch einer jener Dichter
war, der die damalige Literatur in umfassender Weise kannte, kurz
ein Mann, der mit der damaligen Literatur Schritt hielt. Dass seine
Gedichte einst mehr Anerkennung und Verbreitung fanden, zeigt
uns, dass die Landesfürstinn von Tirol ihre Becher-Inschrift, die wohl
ihr Wahlspruch sein mochte:
„Langer liebes mangel
isl meines herzen angel“