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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 50. Band, (Jahrgang 1865)

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Z  i  n  g  e  r  1  e

Die  Verse:
wan  mit  klage  nieman  kan
sin  not  überwinden  G.  XII,  2
klingen  an  folgende  an:
die  wisen  hoere  ich  alle  iehen,
daz  trüren  harte  wenic  tüge
und  nieman  überwinden  müge
mit  clage  sinen  smerzen.  Trj.  Kr.  23484.
Diese  Stelle  wäre  für  die  Zeit  der  Abfassung  des  Garei  bedeutungsvoll, ­
  wenn  nicht  beide  Dichter  ein  älteres  bekanntes  Sprichwort ­
  im  Auge  gehabt  hätten.  Allein  nicht  nur  mit  höfischen  Dichtern
scheint  Pleier  vertraut  gewesen  zu  sein,  sondern  auch  mit  der  deutschen ­
  Heldensage.  Die  Namen  Albewin,  Helferich,  Fidegarte  (ähnlich ­
  der  Vodelgarte  im  Eckenlicde),  Ammilöt  haben  echt  deutschen
Klang  und  mahnen  an  Gestalten  der  Heldensage.  Die  Stellen  von  der
Tarnkappe  und  ihrem  Besitzer,  von  den  waffenschmiedenden  Zwergen ­
  und  den  von  Riesen  bedrängten  wilden  Fräulein  gehören  der
deutschen  Sage  an.  Dies  eben  scheint  mir  ein  Verdienst  unsers
Dichters  zu  sein,  dass  er  nicht  einseitig  dem  fremden  Vorhilde  folgt,
sondern  volksthümliche,  einheimische  Stoffe  auch  herbeizieht  und
in  das  Gedicht  verwebt.  Derartige  Züge  behandelt  er  gewandter  und
mit  grösserem  Behagen,  denn  er  scheint  sich  hier  freier,  ohne  den
Zwang  der  äventiure,  bewegen  zu  können.  Die  so  oftmalige,  beinahe
ängstliche  Berufung  auf  seine  Quelle  maskirt  wohl  manchmal  nur
das  freiere  Sichgehenlassen.  Aus  dem  Gesagten  ergibt  sich,  dass
Pleier,  wenn  auch  kein  poetisches  Talent,  doch  einer  jener  Dichter
war,  der  die  damalige  Literatur  in  umfassender  Weise  kannte,  kurz
ein  Mann,  der  mit  der  damaligen  Literatur  Schritt  hielt.  Dass  seine
Gedichte  einst  mehr  Anerkennung  und  Verbreitung  fanden,  zeigt
uns,  dass  die  Landesfürstinn  von  Tirol  ihre  Becher-Inschrift,  die  wohl
ihr  Wahlspruch  sein  mochte:
„Langer  liebes  mangel
isl  meines  herzen  angel“
            
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