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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 50. Band, (Jahrgang 1865)

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Dr.  Fr.  Müller

man  auch  ganz  natürlich  finden  wird,  wenn  man  die  grosse  Anzahl
indischer  Wortformen,  welche  im  Alt-Javanischen  Eingang  fanden,
in  Anschlag  bringt.
Was  nun  die  äussere  Form  der  javanischen  Schriftzeichen  betrifft, ­
  so  sehliessen  sich  dieselben  an  das  Pali-Alphabet  an.  Der
zwischen  beiden  obwaltende  Unterschied  lässt  sich  leicht  aus  dem  verschiedenen ­
  Sehreibmateriale  ableiten.  Während  die  Pali-Schrift  auf
festen  trockenen,  geglätteten  Blättern  mit  einer  eigentümlichen  im
trockenen  Zustande  glänzenden  Tinte  in  dicken  Strichen  auIgetragen
wird,  ritzt  man  die  javanische  Schrift  auf  frischen  Blättern  mit  einem
spitzen,  nadelförmigen  Instrumente  nur  einfach  ein.  —  Daher  können ­
  die  festen  dicken  Pali-Zeichen  im  Javanischen  nur  in  ihren  Contouren
  erscheinen,  welche  bei  schnellerem  Schreiben  um  so  eher  etwas
verrückt  werden  konnten,  als  sie  nicht  eine  aus  dem  Volk  seihst  hervorgegangene ­
  Erfindung  waren,  sondern  demselben  immer  mehr  oder
weniger  fremd  entgegenstanden.  •—Ehe  ich  zur  Untersuchung  der  einzelnen ­
  Zeichen  schreite,  erscheint  es  notwendig  folgende  Sätze  vorauszuschicken. ­

1.  Die  einzelnen  Zeichen  ruhen  auf  einer  idealen  Grundlage,
von  welcher  aus  sie  nach  oben  zu  gezeichnet  werden.
2.  Bei  den  einzelnen  Zeichen  sind  vor  allem  die  Schenkel  festgehalten; ­
  ihre  Richtung  richtet  sich  nach  dem  vorigen  Grundsätze.
3.  Die  einzelnen  Zeichen  sind,  so  viel  als  möglich,  mit  einem
einzigen  Zuge  gemacht.  Dabei  muss  z.  B.  ein  Rad  geöffnet  werden
(®  =  3>
Ich  will  es  nun  versuchen,  die  einzelnen  Zeichen  genauer  zu  betrachten ­
  und  ihren  indischen  Ursprung  nachzuweisen.
«in  ist  Pali  m:  dabei  erscheinen  die  drei  Schenkel  festgehalten
(nach  2)  und  von  unten  nach  oben  gerichtet  (nach  1).
onn  entspricht  vollkommen  Pali  ui.
(P  entspricht  Pali  e,  wobei  aber  der  obere  Horizontal-Schenkel
  abgebrochen  und  selbstständig  gezeichnet  erscheint.
00)  ist  Pali  a.  Die  Richtung  des  oberen  Theiles  des  rechten  Schenkels ­
  nach  links  in  der  javanischen  Form  zeigt  die  ehemalige  Verbindung ­
  des  rechten  Schenkels  mit  dem  linken  noch  deutlich  an  (vgl.  3).
tlK  ist  Pali  c  all  indisches  £,  etwas  nach  links  geneigt.  Die
javanische  Form  mit  dem  eingeknickten  rechten  Schenkel  nähert  sich
mehr  der  altindischen  als  Pali-Form.
            
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