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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 50. Band, (Jahrgang 1865)

Beiträge  zu  Aristoteles  Poetik.

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6.  rj  enoKoua  —  «vcovufxo?
(Zu  S.  270.)
Die  von  Bernays  (über  Wirkung  der  Tragödie  S.  186)  herrührende
Ergänzung  von  ävwvupos  halte  ich  für  zuverlässig,  trotz  dem  gewichtigen
Einspruch  Spengels  (xaSapaig  ~a3v;p.drtov  a.  E.),  dessen  Erklärung  der
Vulgate  (mit  geänderter  Interpunction:  '^pvipivv;,  riiv  pirptov  rv r /%xvou<7a
[i-sxpi  roü  vüv)  ich  zu  wiederholten  Malen  und,  wie  ich  hoffe,  unbefangen  geprüft
habe,  ohne  mich  von  ihrer  Richtigkeit  überzeugen  zu  können.  Spengel  scheint
Gewicht  darauf  zu  legen,  dass  die  Redensart  ävcbvup.oj  RGCP 1  T °ü
vüv  bei  Aristoteles  nicht  nachweisbar  sei.  Die  Beobachtung  glaube  ich  bestätigen ­
  zu  können;  allein  wenn  solcher  Nachdruck  daraufgelegt  wird,  so  fürchte
ich,  dass  der  Einwurf  sich  nicht  schärfer  gegen  Bernays’  Ergänzung  als  gegen
Spengels  Erklärung  wendet.  Aristoteles  gebraucht  ps'xpi  ~ov  vüv  namentlich  in
den  naturhistorischen  Büchern  nicht  selten  in  der  Wendung,  es  sei  etwas  bis
jetzt  nicht  beobachtet  oder  nicht  hinreichend  untersucht,  um  anzudeuten,  man
müsse  von  der  Zukunft  eine  Ergänzung  der  bisherigen  Kenntniss  erwarten.
Soll  es  unpassend  sein  zu  sagen,  dass  die  von  Aristoteles  aufgestellte  Dichtgattung ­
  (in  Prosa  oder  in  blossen  Versen)  bis  jetzt  keinen  zusammenfassenden
Namen  habe,  so  muss  es  nicht  minder  unpassend  sein,  zu  schreiben,  die  epische
Dichtung  ahme  in  Prosa  oder  Versen  nach,  bis  jetzt  nur  in  letzteren.  Dazu
kommt,  dass  die  den  Vordersatz  aufhebende  Einschränkung  rüv  psrpMv  ru^ävouaa
  pi^pi  roü  vüv  der  eKonoii’a  doch  kein  volles  Genüge  thut;  denn  nicht
bloss  die  prosaische  Dichtung  ist  von  ihr  ausgeschlossen,  auch  die  übrigen  von
Aristoteles  beispielsweise  angeführten  Dichtungen  in  jambischen  und  anderen
Versen  und  in  gemischten  Massen  sind  unter  ixoizoiia  nicht  zusammenzufassen.
Sollte  also  die  von  Spengel  angenommene  Einschränkung  der  i-onoua  wirksam
sein,  so  musste  gesagt  sein,  dass  sie  bis  jetzt  nur  in  stetig  wiederkehrenden
heroischen  Versen  nachahme.  Passend  war  es  dagegen,  die  ganze  vorangeslellte
  Gruppe  als  ein  dvwvup,ov  zu  bezeichnen,  in  voller  Übereinstimmung  mit
dem  begründenden  Satze  ovdh  r /aa  av  s')(oip.ev  ovopauai  xotvo'v  xtX.  Aber  in  beiden ­
  Fällen  bringt  die  an  die  Spitze  des  Satzes  uneingeschränkt  gestellte  e’-o-“oüa
  schwer  zu  beseitigende  Schwierigkeiten.  So  wenig  ich  es  angemessen
finden  kann,  dass  Aristoteles  sage  'die  Epopoeie  ahmt  in  Prosa  und,  sei  es  einfachen, ­
  sei  es  gemischten,  Versen  nach,  bis  jetzt  nur  inVersen’,  so  wenig  kann
ich  die  andere  Fassung  gutheissen  'die  Epopoeie  ahmt  in  (len  genannten  drei
Formen  nach,  hat  aber  bis  jetzt  keinen  Namen.’  Bernays  ,  dessen  Aristoteles-Übersetzungen
  allemal  vorzüglich  sind  und  Sehnsucht  nach  Mehr  erwecken,  hat
in  der  Wiedergabe  dieser  Worte  den  Anstoss,  den  ich  meine,  verdeckt:  'die
Wortdiclitung  ahmt  bloss  in  prosaischen  Worten  oder  in  Versen  nach,  und  zwar
mischt  sie  entweder  die  verschiedenen  Verse  unter  einander,  oder  beschränkt
sich  auf  Eine  bestimmte  Versgattung;  jedoch  ist  für  diesen  Umfang  des  Begriffs
in  der  üblichen  griechischen  Sprache  bis  jetzt  kein  Wort  vorhanden.’  Ähnlich
Susemihl  in  seiner  Übersetzung.  Wie  sieb  Aristoteles  würde  ausgedrückt
            
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