294
V a h I e n
In dieser ganzen Erörterung von Cap. 7—9 ist Alles in festem
Zusammenschluss. Die Tragödie als Kunstwerk verlangt das 61 ov xa £
tsIsiov, den Abschluss nach Aussen in einer dem Kunstwerk entsprechenden
Ausdehnung (pisysSog): beide Forderungen finden ihre
Verwirklichung in der Einheit der Handlung (p.üSog stg), und diese
wieder führt zu der nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit und
Nothwendigkeit vollzogenen dichterischen Umbildung (pipcrjo-tf) des
gegebenen Stotfes. Dieser Begriff der p.i[XY]aig tritt kaum irgendwo
so deutlich hervor als an dieser Stelle, und die nachdrückliche Betonung
desselben (1431 b 27 ff.) verleiht dem ganzen Abschnitte
einen befriedigenden Abschluss. Die Forderung des Dramatischen ist
damit erschöpft.
Nach der Überlieferung schliesst sich hieran (1431 h 33 ff.)
eine Bemerkung über eine unkünstlerische Art der einfachen Mythen:
tüjv 6k änlüv [xOSaiv xui np&igscav ui insiGooi&özig sic7t yjipiarui.
Isyw 6’ sKsiao§ul)6r] p.üSov, iv 5> tu snsiaöocu p.sr’ ällrjlu ovr’
sixdg out’ uvuyx'n eivuc. toiuvtui ok noiovvTou Öko y.kv rCbv <pu01u>v
TTOLVjTCtfV dt’ UVTOVg, Ö7IO 6i TOJV Ctya^töV 8lU TOvg XpLTOeg. äywvtapiar«
yup noiovvTeg, xai nupu rvjv 60vup.iv nuparsivovrsg
uvSov 7toll&xig oiaarpscpziv uvayxä^ovTUi ro scpsigr/g. Dass die
Worte Aristotelisch sind, davon kann der metaphorische Gebrauch
von knsiGoftiüdvg in der Metaphys. 1090 b 19 und 1070 a 1
allein überzeugen; und auch sonst findet sich nichts in den Worten,
das nicht mit Aristoteles Gedanken in gutem Einklang wäre.
Allein, dass sie für die hiesige Stelle ursprünglich bestimmt gewesen,
davon kann ich mich auch nach der Vertheidigung von
Spengel und der wiederholten von Susemihl nicht überzeugen.
Allerdings war im Vorausgegangenen der Nachdruck gelegt auf
die einheitliche Verknüpfung der Begebenheiten, und von dieser
Forderung entfernen sich am meisten diejenigen von den einfachen
Mythen, welche Aristoteles die episodischen nennt. Allein der Fehler
mangelhafter Verknüpfung ist ein allgemeiner, nicht auf die
einfachen Mythen beschränkter, sowie die entgegenstehende Forderung
eine allgemeine ist (vgl. 1432 a 19 ff.): ihn daher an den
einfachen Mythen allein hervorzuheben war unzweckmässig, zumal
die von Aristoteles vorgenommene Sonderung der Mythen in
einfache und verflochtene einem späteren Platz Vorbehalten ist.
Dass aber diese Abweisung der episodischen Mythen auch nicht als