Beiträge zu Aristoteles Poetik.
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bunden, das auf Ganzheit und innerer Gliederung der Theile beruht.
Wie also jegliches Schöne weder allzuklein sein darf, damit die
Gliederung der Theile wahrgenommen werden kann, noch allzugross,
damit die Betrachtung der einheitlichen Ganzheit möglich bleibe, so
muss auch die Tragödie (oder ihr /xOSos), wenn sie als Kunstwerk
den Forderungen der Schönheit entsprechen soll, zwar eine gewisse
Ausdehnung haben, welche die Gliederung der Theile zu betrachten
ermöglicht, aber diese Ausdehnung darf ein solches Mass nicht
erreichen, welches die Wahrnehmung der abgeschlossenen Ganzheit
ausschliesst. Allein diese Bestimmungen der Grösse sind doch immer
noch zu allgemeiner Art, und obwohl sie auf Kunstwerke jeder Gattung
sich anwenden lassen, so gestatten doch verschiedene Kunstwerke,
je nach ihrem eigenen Wesen, einen ganz verschiedenen
Grad der Ausdehnung: zeigt sich diess doch selbst innerhalb der
Dichtung bei dem Epos und der Tragödie, die, wie Aristoteles mehrmals
hervorgehoben hat, in Bezug auf Grösse ganz verschiedenen
Bedingungen unterliegen. Die Frage bleibt also auch nach jenen
allgemeinen Bestimmungen noch immer übrig, wie gross kann und
wie gross darf die Tragödie sein: sie lässt sich nach äusseren
Gesetzen und Gewohnheiten der Bühneneinrichtung entscheiden;
aber dieser Gesichtspunct kann für die Theorie der Tragödie nicht
bestimmend sein. Nach den Gesetzen des Kunstschönen betrachtet,
wird die grössere Tragödie, wofern sie übersichtlich bleibt,
was den Umfang betrifft, die schönere sein, denn die Grösse überhaupt
ist ein Requisit des Schönen, und je reicher die Tragödie ist,
um so mehr kann die Gliederung der Theile sich entfalten. Allein
die aus dem inneren Wesen und der Aufgabe der Tragödie geschöpfte
Bestimmung ihrer Grösse ist doch erst die, dass die Tragödie
einen solchen Umfang haben muss, um die volle Entfaltung
einer Handlung, d. h. einer Situation, die nicht so bleiben kann,
wie sie liegt, sondern einen Übergang in sich schliesst, entweder
vom Glück zum Unglück oder vom Unglück zum Glück, zu ermöglichen.
Welcher Art der für die Tragödie angemessene Übergang
sei, liegt hier, wo die Tragödie lediglich von ihrer dramatischen
Seite gefasst wird, ausser dem Kreise der Betrachtung; es genügt
für den hiesigen Zweck, die Forderung so zu stellen, dass der in
der Handlung eingeschlossene Übergang in dem Umfang einer Tragödie
sich voll und reich entfalten und vollständig ausklingen könne.
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