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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 50. Band, (Jahrgang 1865)

2,SO

Vülil  e  n

Tragödie  waren,  bis  sie  diejenige  Form  erlangte,  nach  welcher  der
Begriff  Tragödie  bestimmt  wird,  die  man  also  angibt,  wenn  man  zu
definiren  hat,  was  Tragödie  ist  (xa.3-’  vjv  vjor?  )Jysrai  rodt  n.  Psych.
412  a  8)  H).
Nachdem  nun  die  Tragödie  ihre  eigene  Natur  erlangt  batte  (icys
rrjv  uvr-fiS  <pvGtv),  und  im  vollen  Sinne  des  Wortes  Tragödie  geworden ­
  war,  blieb  sie  stehen  (iTzavGaro).  Diese  Thatsache  schloss  die
Möglichkeit  einer  weiteren  Entfaltung  nicht  aus:  und  Aristoteles
selbst  scheint  diese  Möglichkeit  iii  den  «ablehnenden  Worten,  von
denen  wir  ausgingen,  anzudeuten.  Dennoch  konnte  jene  rein  ^tatsächliche ­
  Bemerkung  leicht  so  gedeutet  werden,  als  ob  überhaupt  eine  noch
weitere  Entfaltung  ausgeschlossen  sei.  Um  aber  diesem  möglichen
Missverständnis  der  Worte  irrd  soye  rijv  avrrjg  <p(iaiv  i7ra.vGa.ro  vorzubeugen, ­
  lehnt  er  es  im  Voraus  ab,  auf  die  Frage  einzugeben,  ob
die  Tragödie  bereits  in  ihren  Formen  genügend  entwickelt,  oder
eine  weitere  Entwickelung  möglich  oder  wünschbar  sei.  Die  Sätze
rö  [xiv  ovv  im.GMKi.Tv  —  äl~kog  loyog  und  yevo/Jievv]  o  ovv  i~)  dn  dpyf,g
  zrl.  sind  daher  im  engsten  Zusammenhänge  aufzufassen,  den  man
in  der  Kürze  so  wiedergeben  könnte:  'Die  Frage,  ob  die  Tragödie
bereits  hinreichend  entwickelt  ist  oder  nicht,  will  ich  hier  nicht  entscheiden: ­
  wie  dem  aber  sei,  nachdem  sie  vom  Dithyramb  ausgegangen, ­
  durch  mannigfache  Wandelungen  hindurch  bis  zu  dem  ihr
eigenen  Wesen  gelangt  war,  blieb  sie  in  ihrer  Entwickelung  stehen’.
An  die  kurzerwähnten  Neuerungen  des  Aeschylos  und  Sophokles
fügt  Aristoteles  mit  in  di  noch  einige  weitere  Umwandelungen  der
Tragödie  an,  die  sie  auf  dem  Wege  vom  alten  Satyrdithyramb  zur
eigentlichen  Tragödie  erfahren  hat,  Umwandlungen,  welche  mit
jenen  früher  erwähnten  parallel  liefen,  und  zum  Theil  Consequenzen
aus  denselben  waren:  aus  dem  Umfange  nach  kleinen  Mythen  (rö
lUyeSog  ist  von  /juxpiäv  abhängig)  ui)  und  spasshafter  Diction  erlangte ­
  sie  allmälicb  die  zu  ihrem  Wesen  gehörige  Würde  (gs;j.vov):
statt  des  Tanzrhythmus  des  Tetrameters  kam,  je  mehr  der  Dialog  sich
entwickelte;  der  eigentliche  Sprechvers,  der  jambische  Trimeter  auf:
die  Zahl  der  Acte  ward  vermehrt:  und  das  Übrige,  fügt  Aristoteles
abschliessend  hinzu,  womit  ein  Jedes  im  Laufe  der  Zeit  ausgerüstet
worden,  lasse  man  als  gesagt  gelten,  denn  alles  einzeln  durchzugeben, ­
  wäre  für  den  hiesigen  Zweck  zu  umständlich:  xai  rö  akla,
oig  ixuoro.  xoGixr^f/vo'.  Aiysrai,  iora>  f/jj-Tv  sfprjfrsva -  ko'Xv  ydp  dv
            
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