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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 50. Band, (Jahrgang 1865)

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V  a  h  1  e  n

Grundanlagen  des  Menschen  neben  einander:  nur  darf  es  auffallen,
dass,  während  Eingangs  zwei  natürliche  Ursachen  der  Dichtkunst
(ovo  atriai  yvaixod')  angekündigt  waren,  die  zweite  nur  beiläufig  in
dem  abschliessenden  Satze  (xard  tpüatv  ori  arU)  herzugenommen
wird,  ohne  dass  ihrer  vorher  gedacht  worden  wäre.  Man  würde
geneigt  sein,  an  eine  Lücke  des  Textes  zu  glauben,  wenn  nicht  der
parenthetische  Zusatz  r6t  yäp  p.irpa  Sn  xrl.  andeutete,  dass  von
pvS[J.6g  und  dpp.ovia  im  vorhergehenden  nicht  die  Rede  gewesen.
Auf  dieser  allgemeinen  Grundlage  für  den  Ursprung  der  Dichtung ­
  erörtert  Aristoteles  2.  die  Entstehung  der  einzelnen  Dichtarten
1448  b  24  —  1449  a  6:  dem  yevvfjaat  pisv  S'ktog  rrjv  nownxriv
(1448  b  4)  entspricht  duonänSr,  di  xarärd  oixeta  -rjSri  r,  nroiriatg
(b  24).  Hier  findet  die  in  dem  ersten  Abschnitte  des  allgemeinen  Theiles
(1448  a  I  ff.)  aufgestellte  Sonderung  der  Dichtarten  nach  ihrem
Kunststile  in  würdige  und  niedrige  ihre  Anwendung.  Und  wie  dort
diese  Scheidung  beruhte  auf  dem  Charakterunterschiede  der  darzustellenden ­
  Personen  (dem  onovoaXov  und  pavlov  ^3-o?der  npcirrovrsg),
so  wird  hier  die  Entwickelung  der  entgegengesetzten  Dichtarten  aus
dem  entsprechenden  Gegensatz  in  den  Charakteren  der  darstellenden
Dichter  abgeleitet.
Es  sonderte  sich  also  die  Dichtung  nach  den  den  Dichtern  eigenthümlichen
  Charakteren:  duairdaSrri  xard  rd  oixita  (näml.  rüv
[j.ttj.ou[Aiv(j)v)  rj  noirjmg.  Die  Einen  nämlich  vermöge  ihres  auf  das
Hohe  und  Edle  angelegten  Charakters  (oi  ssp-vorspo!)  folgten  dem
Nachahmungstrieb  in  der  Darstellung  des  Hohen  und  Edlen:  rag
xaldg  £fup.oövro  Ttpd^stg  xai  rag  roov  rotovrcov:  die  andern,  deren
Charakter  niedriger  angelegt  (ot  svreliarspot),  wendeten  sich  der
Darstellung  des  Niedrigen  und  Gemeinen  zu  (rag-  rüv  yaOAcov).  Die
Darstellungen  jener  ergaben  Lob-  und  Preislieder  (vij.voi  xai  iyxMp.ta),
Verherrlichungen  edler  Menschen  und  edler  Handlungen:  diejenigen
der  anderen  Dichter  Tadelgedichte  (tpöyot).  Für  die  erste  Gattung
(vp.vot  und  iyx.Sip.ta)  führt  Aristoteles  keinen  Beleg  au:  von  ihrem
Gegensatz,  den  ■■pöyoi,  habe  es  zwar  schon  vor  Homer  viele  Beispiele
gegeben,  aber  zu  nennen  weiss  er  doch  nur  ein  Homerisches,  den
Margites  und  dem  ähnliche:  und  der  Margites  selbst,  obwohl  er  unzweifelhaft ­
  auf  diese  Seite  des  Gegensatzes  gehört,  verdient  doch
nicht  so  sehr  die  Bezeichnung  eines  tpöyog  als  eines  komischen
Epos  (b  37).
            
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