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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 50. Band, (Jahrgang 1865)

Beiträge  zu  Aristoteles  Poetik.

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der  Dichtung  als  solcher  die  Rede  (/6'yoj-/j.srpov)  als  ihr  Medium
angehört,  so  musste  für  die  mit  der  Dichtung  zusammenwirkende
Musik  und  Orchestik  gleichfalls  das  besondere  Medium  einer  jeden
aufgesucht  werden.  Daher  waren  sie,  wegen  ihrer  Verbindung  mit
der  dramatisch  -  chorischen  Dichtung,  in  ihrer  Selbständigkeit  zu
fassen  und  nach  ihrem  Darstellungsmittel  zu  befragen.  Hatte  sich
ergehen,  dass  die  Musik  in  Rhythmus  und  Harmonie,  die  Orchestik
im  Rhythmus  sich  bewegt,  so  waren  nun  erst  die  Mittel  der  dramatischen ­
  und  chorischen  Aufführung  in  Rede,  Rhythmus  und  Harmonie
gefunden.
Die  gleiche  Reihe  von  Dichtarten  nebst  den  zugehörigen  Künsten
der  Musik  und  Orchestik  wird  der  zweiten  Sonderung  nach  dem
Objecte  der  Darstellung,  oder  nach  modernem  Ausdruck  dem  Kunststile, ­
  zu  Grunde  gelegt.  Da  es  nur  auf  nachahmende  Darstellung
handelnder  Persönlichkeiten  (npocrrovTsg)  ankommt,  so  geht  Aristoteles ­
  von  dem  Grundunterschied  aller  Charaktere  aus,  die  entweder
würdige  (anovdoüoi)  oder  niedrige  (yaüAoi)  sind.  Auf  diesen  Gegensatz, ­
  der  auf  der  Grenzlinie  zwischen  ethischer  und  ästhetischer
Würdigung  liegt,  lässt  sich  die  ganze  Mannigfaltigkeit  der  Charaktere
schliesslich  zurückführen  (roOzoig  omoIovSsT  [xövotg  cf.  de  part.  anim.
646  a  i7  Metapli.  1042  b  4),  und  anderseits  ergibt  sich  daraus,
dass  die,  welche  Handelnde  darzustellen  haben,  sich  entweder  an
das  Maass  der  Wirklichkeit  halten,  oder  über  dieselbe  in  das  Ideal
hinauf-,  oder  unter  dieselbe  in  die  Carricatur  hinabsteigen  können:
wie  diese  Unterschiede  sich  am  deutlichsten  hei  den  Malern  herausgestellt ­
  haben.  Sie  müssen  sich  aber  bei  den  genannten  poetischmusischen ­
  Künsten,  die  es  alle  mit  der  Darstellung  von  Handlungen
und  Handelnden  zu  thun  haben,  gleichfalls  anwenden  lassen,  in
der  Musik  und  Orchestik,  in  der  nach  ihren  Mitteln  (X6yoi-\piXo[xstpta)
  benannten  Gruppe  von  Dichtarten,  in  dem  Dithyramb  und
Nomos,  und  endlich  in  der  Tragödie  und  Komödie,  die,  während  hei
jenen  innerhalb  derselben  Gattung  die  Gegensätze  sich  ausgebildet
haben,  in  dem  nämlichen  Gegensatz  als  selbständige  Gattungen
auseinander  getreten  sind.
Aristoteles  wendet  sich  zu  dem  dritten  der  früher  angekündigten
Unterschiede  der  Dichtarten,  der  aus  dem  Wie  der  Nachahmung
entspringt.  Hier  ergibt  sich  zunächst  eine  zweifache  Scheidung:
man  kann  bei  denselben  Mitteln  und  in  demselben  Kunststile
            
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