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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 50. Band, (Jahrgang 1865)

168

Halm

Zu  Minucius  Felix.
Von  Dr.  K.  Bai  in.
Die  schöne,  aber  wegen  grosser  Verderbnisse  des  Textes
schwierige  Schrift  'Octavius’  des  Minucius  Felix  hat  sich  bekanntlich ­
  als  achtes  Buch  des  Arnohius  erhalten.  Man  kennt  vom  Arnobius
und  Minucius  Felix  nur  zwei  Handschriften,  die  Pariser  und  Brüssler,
welche  letztere  jedoch  erweislich  nur  eine  Abschrift  der  Pariser  ist,
also  für  die  Kritik  nicht  in  Betracht  kommen  kann.  Oh  ausser  diesen
beiden  noch  eine  dritte  jetzt  verschollene  existiert  habe,  aus  welcher
die  editio  princeps  Romana  vom  J.  1543  geflossen,  ist  streitig.  Mich
haben  die  Gründe,  die  Ed.  de  Muralto  in  seiner  Ausgabe  des  Minucius
Felix  (Zürich  1836)  p.  X  sqq.  für  Annahme  einer  dritten  Handschrift ­
  beibringt,  nicht  im  mindesten  überzeugt;  ich  bin  vielmehr  der
Ansicht,  dass  die  editio  princeps  auf  einer  lüderlichen  Abschrift  des
Codex  Parisinus  beruhe  und  dass  die  wenigen  Verbesserungen,  die  der
schwer  verderbte  Text  in  ihr  gefunden  hat,  solcher  Art  sind,  dass  sie
von  einem  jeden  mittelmässigen  Kenner  der  lateinischen  Sprache  und
alten  Literatur  leicht  gemacht  werden  konnten.
Indess,  wie  man  auch  darüber  urtheilen  möge,  so  sind  jedenfalls ­
  alle  Abweichungen  der  editio  princeps  in  den  vielen  schlimmen
Stellen  der  kleinen  Schrift  der  Art,  dass  aus  ihnen  für  die  Verbesserung ­
  des  Textes  nichts  zu  gewinnen  ist;  zu  dessen  Recension
kann  blos  die  Pariser  Handschrift  dienen.  Sie  ist  zuerst  durch  Ileraldus,
genauer  durch  Rigaltius  bekannt  geworden,  aber  es  waren  nur  einzelne
Abweichungen,  die  man  von  der  editio  princeps  erfuhr,  eine  vollständige ­
  Collation  des  Codex  ist  bis  auf  Ed.  de  Muralto,  einen  Schüler
Orelli  s,  nicht  bekannt  geworden.  Wer  dessen  Ausgabe  kennt,  muss
meinen,  dass  ein  getreues  Abbild  des  Codex  unicus  vorliege;  denn
Muralto  hat  eine  Abschrift  des  Codex  genommen  und  diese  mit  nur
geringen,  in  den  Noten  mitgetheilten  Abweichungen  abdrucken  lassen.
            
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