Full text: Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 4. Band, (Jahrgang 1850)

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Grossmuth eines Königs, welches zu Ende des fünfzehnten 
Jahrhunderts verfasst wurde, nahe an 1000 achtzeilige Verse 
enthält und allen Anforderungen dramatischer Poesie entspricht. 
Schliesslich überreichte er der Akademie das Manuscript eines 
Werkes über die Kichuasprache in drei Theilen, wovon der 
erste die Sprachlehre, der zweite die Sprachproben (gesammte 
Literatur mit Einschluss des Drama’s), der dritte den Sprach 
schatz oder das Wörterbuch enthält. 
Herr Professor Dr. Constantin Höfler, Archivs Vorstand zu 
Bamberg und Mitglied der kön. bayerischen Akademie der Wissen 
schaften, liest als Gast: 
„Ueber den von Kaiser und Fürsten ausgehenden 
Versuch, das freie Volk der Dithmarschen däni 
scher Erbherrschaft zu unterwerfen.” 
Die nachfolgenden Begebenheiten fallen in eine der merkwür 
digsten Uebergangsperioden der deutschen Geschichte, in welcher 
die Slawen bereits den Traum eines grossen slawischen Gesammt- 
reiches zu realisiren versuchten, die Ungern den deutschen Kaiser 
aus seiner Hauptstadt vertrieben und anstatt mit dem Erbfeinde im 
Osten zu kämpfen, in ihrem Streite mit Slawen und Deutschen 
ihn in Konstantinopel, am Hämus und der unteren Donau festen 
Fuss fassen, ja sie selbst von Bosnien aus umspannen liessen. 
Deutschland aber war voll Gährung undUnordnung, und liess 
eher alles als eine ruhige Entwicklung seiner Gegensätze er 
warten. Das Ansehen des Kaisers (Friedrich IV. des Habsburgers) 
war soviel als vernichtet, — Kaiser und Papst, meinte Aeneas 
Sylvius, seien in Deutschland ficta nomina; — die Fürsten unter 
einander voll Eifersucht, Hass und Streit, gegen sie der Reichs 
adel in heftigster Spannung und nur, wenn es den Reichsstädten 
galt, mit ihnen verbunden. Diese, reich und mächtig, noch immer 
von dem grossen Gedanken beseelt, das Geschick Deutschland’s 
an sich zu reissen, anderseits aber auch durch ihre Handelsunter 
nehmungen auf ein möglich friedliches Auskommen mit ihren 
heimischen Gegnern angewiesen und in der Collision zwischen 
Geldmacht und grösserer Freiheit mehr um die erste als um die 
zweite besorgt. Daneben war das Wort der Reform des Reiches, 
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