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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 49. Band, (Jahrgang 1865)

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Phillips

XVI.
Die  Yulgnta  ist  nicht  die  authentische  Recension  der  Synode  Ton  Tribur.
Wie  viele  oder  wie  wenige  von  diesen  bisher  zusammengestell--
  ten  theils  in  verschiedenen  Handschriften,  theils  in  Sammlungen  zerstreuten ­
  einzelnen  Triburiensischen  Canones  jenen  zwanzig,  welche
in  der  Collectio  Diessensis  aneinandergereiht  sind,  an  die  Seite  zu
stellen  sind  und  zur  Ausfüllung  der  Lücken  derselben  dienen  können,
lässt  sich  nicht  ermitteln;  die  Systemlosigkeit  sowohl  dieser  Sammlung ­
  als  auch  der  Vulgata  bietet  hierin  ein  grosses  Hinderniss.  Eben
so  muss  auch  bei  mehreren  jener  Canones  erst  weitere  Bestätigung
dafür  abgewartet  werden,  ob  sie  überhaupt  zu  dem  Concilium  von
Tribur  gehören  oder  nicht.  Soviel  ist  aber  durch  die  Auffindung  der
Collectio  Diessensis  ausser  Zweifel  gestellt,  dass  wirklich  zwei  Recensionen
  der  Synode  in  verschiedener  Fassung  und  Folge  der  Capitel,
  die  eine  mit  der  Epistola  praelocutiva  „Cum  constet  Omnibus
die  andere  mit  der  Vorrede  „Cum  in  nomine“  neben  einander  bestanden ­
  haben;  ja  wenn,  wie  es  den  Anschein  hat,  das  Capitel  Si  domni
principis  selbst  ein  Stück  eines  zum  Concilium  von  Tribur  gehörigen
Prologs  ist,  so  würde  man  fast  darauf  hingewiesen,  sogar  noch  eine
dritte  Recension  anzunehmen.  Diese  Vermuthung  würde  darin  eine
Unterstützung  finden,  dass  manche  Canones  wirklich  in  einer  dreifachen ­
  Fassung  Vorkommen,  wie  diess  z.  B.  von  demjenigen  gilt,  welcher ­
  von  dem  gemeinschaftlichen  Besitze  mehrerer  Erben  an  einer
Kirche  handelt.  Insofern  dürfte  auch  der  Umstand  in  Betracht  zu  ziehen ­
  sein,  dass  die  Sammlungen  Regino's,  Rotger's  und  Burchard's
noch  andere  Capitelzahlen  darbieten,  als  die  sich  in  der  Vulgata  und
in  der  Collectio  Diessensis  vorfinden.  Jedenfalls  erhält  die  oben  1
entwickelte  Ansicht  Wasserschleben’s,  dass  die  Recension  der  Vulgata
nicht  die  eigentlich  authentische  gewesen,  sondern  als  solche  die  kürzere ­
  Fassung,  in  welcher  die  Canones  bei  Regino  Vorkommen,  zu
betrachten  ist,  durch  die  Collectio  Diessensis  eine  neue  Bestätigung.
Jene  Recension  der  Vulgata,  die  auch  noch  den  Fehler  hat,  dass  sie
mit  drei  Capiteln  beginnt,  die  durchaus  nicht  für  Synodalschlüsse
gelten  können,  verräth  auch  durch  ihre  etwas  schwunghafte  Fassung,
welche  der  Einfachheit  der  Sprache  der  Concilien  nicht  entspricht,

<)  S.  oben  IV.  S.  621.
            
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