712
Dr. Fr. Müller, Über den Ursprung d. himj. athiop. Schrift.
demselben ft oder^. Man vergleiche palmyrenisclies y, das in der
himjarisch-äthiopischen Form auf den Kopf gestellt erscheint.
0
Dafür findet sich in den himjarischen Inschriften die Form g,
in den äthiopischen Inschriften daneben noch die Form 0, durch
Abrundung des unteren Tbeiles, woraus das heutige äthiopische 0
hervorgegangen, g ist offenbar eine Differenzirung von ni> wie
arabisches ü> von h>. Die von Rüdiger (Zeitschrift für Kunde d.
Morgenlandes I) mitgetheilten Alphabete bieten für lä die Form
P. P. ebenso das von Gildemeister (ebend. V, Tafel unter B).
— Man vergleiche ferner die Notiz: Zeitschrift f. Kunde d. Morgenlandes
V, S. 215. J®-L, Uillj Uall
£
Die himjarischen Inschriften bieten die Form <>; die äthiopischen
Inschriften dagegen durch Neigung der Gestalt nach links
und Verlängerung der beiden linken Schenkel die Form <£, woraus
das heutige /L entstanden ist. — Man vergleiche altsemitisches
das in der himjarisch-äthiopischen Form geschlossen und zu einem
Parallelogramm umgeformt erscheint (vgl. Ähnliches beim griechischen
TI und römischen P).
Fragen wir nach dieser kurzen aus der paläographischen Betrachtung
der einzelnen Zeichen selbst geschöpften Darstellung, welchem
semitischen Alphabete speciel 1 diehimjarisch-äthiopische Schrift
entsprossen sein mag, so weisen alle Anzeichen auf die Aramäer
hin, denen bekanntlieh auch die muhammedanischen Araber ihre
Schrift verdanken. So schliessen sich ft, ff, l), (D, Ä., A Z,
unter allen Alphabeten am meisten an das palmyrenische an, während
1,X, H, fit, e, A, , i, O, <b, UJ, -t- eine viel ältere
Form, als die in den auf uns gekommenen aramäischen Alphabeten
vorhandene repräsentiren. Daher ist die Einführung der
Schrift bei den Himjariten viel weiter zurück zu datiren, als die
vorhandenen von Aramäern stammenden schriftlichen Denkmäler
reichen.