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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 49. Band, (Jahrgang 1865)

Müller,  Über  den  Ursprung  der  himjarisch-äthiopischen  Schrift.

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SITZUNG  VOM  15.  MÄRZ  1865.

Der  historischen  Commission  wird  zugesendet:  „Relation  des
päpstlichen  Nuntius  zu  Wien,  Hannibal  Capuano,  über  die  deutschen
Zustände  unter  der  Regierung  Kaiser  Rudolf  II.  Mitgetheilt  von  Dr.
Anton  Kerschbaumer,  Professor  der  Theologie  zu  St.  Pölten.“

Über  den  Ursprung  der  himjarisch-äthiopischen  Schrift.
Von  Dr.  Friedrich  Müller,
Docent  der  allgemeinen  Sprachwissenschaft  an  der  Wiener  Universität.
(Mit  einer  lithographirten  Tafel).
In  Betreff  der  äthiopischen  Schrift  war  man  lange  Zeit  der
Meinung,  dass  sie  entweder  direct  von  der  griechischen  Schrift
abstamme,  oder  doch  durch  Einfluss  derselben  gebildet  worden  sei 1 ).
An  dieser  Ansicht  hielt  auch  Anfangs  Gesenius  fest  (Geschichte

*)  Anlass  zu  dieser  irrigen  Meinung  gal»  wohl  der  Umstand  ,  dass  die  äthiopische  Schrift
nach  dem  Muster  der  abendländischen  Schriftarten  von  der  Linken  zur  Rechten
geschrieben  wird,  und  unter  den  semitischen  Schriften  die  einzige,  die  eine  volle  Vocalhczeichnung
  kennt.  Was  den  ersten  Punct  anlangt,  so  ist  diese  Richtung  derselben
keineswegs  eine  ursprüngliche,  da  die  himjarischen  Inschriften  nach  echt  semitischer ­
  Weise  von  der  Rechten  zur  Linken  geschrieben  sind,  also  die  Richtung  von
der  Linken  zur  Rechten  sich  hier  wie  im  Griechischen  durch  das  ßovtjTprjtpydov
herausgebildet  zu  haben  scheint.  (Vgl.  Inscriptions  of  the  Himyaritic  character  discovered
  chicfly  in  Southern  Arabia  and  now  in  the  British  museum.  London  1863.
Quer-Folio,  S.  2.)  Dabei  blieb  aber  die  Richtung  der  einzelnen  Buchstaben  dieselbe ­
  und  wurde  nicht,  wiedort,  mit  Änderung  der  Schriftrichtung  auch  umgedreht. ­
  Ebenso  ist  die  Vocalbezeicbnung  im  Himjarischen  noch  auf  sehr  primitiver
Stufe  und  stimmt  mit  der  anderer  semitischer  Sprachen  überein.  (Vgl.  Osiaiuler  in
der  Zeitschrift  der  d.  rnorgenl.  Gesellschaft  X,  S.  33.)  Dass  die  volle  Vocalbezeichnung
  des  Äthiopischen  in  verhältnissmässig  späte  Zeit  fällt,  geht  schon  aus  dem
Umstande  hervor,  dass  wir  für  1  und  ü  keine  besonderen  Zeichen  vortinden,  sondern
beide  in  c  geschwächt  und  zusarainengefallen  sind.
            
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