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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 49. Band, (Jahrgang 1865)

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Tomaschek

III.  Der  Schreiber  beim  Hofgerichte.
Auch  dieser  soll  nach  jener  Urkunde  a.  1.  wissend  sein,  und
dem  Hofrichter  und  den  „Herren“,  worunter  wohl  die  Beisitzer  des
Hofgerichts  gemeint  sind,  einen  besonderen  Eid  leisten.
Die  Anwesenheit  des  Notars  beim  Gerichte,  seine  nothwendige
Intervention  bei  den  meisten  gerichtlichen  Handlungen,  wenn  er
auch  an  der  Urtheilsfindung  selbst  keinen  Antheil  nahm,  die  schriftliche ­
  Aufnahme  der  Gerichtsverhandlungen  und  der  gefundenen
Urtheile,  die  Verfassung  der  Gerichtsbriefe  über  die  einzelnen  gerichtlichen ­
  Acte  gaben  ihm  eine  wichtige  Stellung  heim  Gerichte,
die  im  Laufe  der  Zeit  um  so  bedeutender  geworden  war,  je  mehr
die  anfangs  einfachen  Formen  allmählich  einem  verwickelten  Formalismus ­
  im  Bechtsgange  Platz  machen,  und  je  grösser  der  Einfluss
wurde,  den  Urkunden,  Briefe  und  Schriftstücke  auf  den  Beweis
und  das  gerichtliche  Verfahren  überhaupt  gewannen;  andererseits
erklärt  sich  daraus  die  Nothwendigkeit  einer  besonderen  Bechtskenntniss
  von  Seite  des  Notars  und  insbesondere  auch  der  heimlichen ­
  Bechte,  auf  die  unsere  Urkunde  ein  so  grosses  Gewicht
legt.
Schon  die  const.  Mog.  hatte  des  Eides  des  Notars  Erwähnung
gethan.  Item  iuramentum  prestabit  secundum  formam  iuramenti  qualiter
  iusticiarius  facit,  et  quod  fideliter  et  legaliter  se  habebit  in
officio,  nichil  scripturus  et  facturus  contra  ius  et  dehitum  secundum
conscientiam  bonae  fulei,  omni  dolo  et  fraude  cessante.
Und  der  Budolphiuische  Landfrieden  vom  Jahre  1281  theilt  in
dem  von  Senckenberg  edirten  Manuscripte  in  c.  XXVI  die  Eidesformel
wörtlich  mit:  Der  schreyber,  der  hyeczu  erkoren  ist  vnd  wird,  der
sol  schweren  auf  den  heiligen,  dass  er  durch  lieb  noch  durch  laytt
noch  durch  vorchte  noch  durch  miette  noch  durch  magschafft  noch
durch  kain  hand  ding  icht  thu  oder  schreybe  an  seinem  ampte,  dann
das  recht  ist,  als  er  sych  aller  past  versynen  kan.
Die  const.  Mog.  hatte  ferner  dem  Notar  die  Verpflichtung  auferlegt, ­
  nicht  blos  die  vor  dem  König  gefundenen  Urtheile,  sondern
auch  die  Namen  der  landesschädlichen  Leute,  der  Geächteten  sanirnt
Klage  und  Tag  der  ausgesprochenen  oder  aufgehobenen  Beichsacht
schriftlich  zu  verzeichnen.  Es  wurden  somit  von  dem  Notar  des  Hof-
            
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