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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 49. Band, (Jahrgang 1865)

Beiträge  zur  Kritik  und  Erklärung -  des  Sophokles.

SIS
!  für  j  zu  nehmen  ist.  (Vgl.  Maurophrydes  in  Kuhn's  Zeitschrift  für
vergl.  Spracht - .  VII,  S.  144).  Man  kann  in  dieser  Hinsicht  darauf
hinweisen,  dass  äusserst  oft  in  den  Handschriften  bei  den  Tragikern
iw  vorkommt,  welches  man  des  Metrums  halber  in  w  verwandeln  zu
müssen  glaubt.  Die  Nothwendigkeit  der  Änderung  fällt  aber  weg,
wenn  t  für  j  genommen  wird.  Vgl.  Ant.  1265,  1276,  1286.
Eine  wichtige  Analogie  bietet  die  Verschleifung  von  u  mit  dem
folgenden  Vocal,  die,  obwohl  sie  noch  seltener  ist,  als  die  Verschleifung
  von  t,  doch  nicht  bezweifelt  werden  kann  und  von  den  Herausgebern ­
  auch  nicht  bezweifelt  wird;  vgl.  Eur.  I.  T.  906,  945,  1424
(Kirclih.)  ’Eptvöwv.  Es  ist  auffallend,  dass  die  Herausgeber  die  Zulässigkeit ­
  der  Verschleifung,  die  sie  hei  v  zugeben,  hei  i  nicht  zuzugehen ­
  geneigt  sind.
Endlich  ist  noch  zu  berücksichtigen,  dass  auch  im  Latein,  und
zwar  ziemlich  oft,  die  Verschleifung  des  i  und  u  mit  dem  folgenden
Vocal  oder  mit  anderen  Worten  der  Übergang  von  i  und  u  in  j  und  v
sich  findet.  Vgl.  die  zahlreichen  Beispiele  in  der  gründlichen  Untersuchung ­
  Corssen’s  (über  Aussprache,  Vocal.  u.  Beton,  d.  lat.
Spr.  II,  S.  167  ff.).  Es  finden  sich  bei  lateinischen  Dichtern  oft  Verschiebungen, ­
  die  uns  durchaus  nicht  mundgerecht,  sondern  sehr  hart
erscheinen.  Solche  Verschiebungen,  wie  oinnia  (hei  Plaulus,  Terenz,
Vergil  u.  a.),  Paegnium  (Plautus),  nescio  (Plautus  u.  a.)  dürften
mich  wohl  vor  dem  Vorwurf  schützen,  dass  ich  mit  der  Annahme
aJ.Spia.  =  aiSpjc:  den  Sprachorganen  der  Griechen  .zu  viel  zumuthe.

Nachträgliche  Bemerkung.
Zu  V.  3.
Die  Vermulhung  ^w~ofov  für  drcofov  hat  bereits  im  Jahre  1863
Seyffert  (Jahrbh.  f.  Phil.  LXXXVII.  Bd.,  S.  481)  veröffentlicht.
Ich  durfte  nichtsdestoweniger  dieselbe  Vermulhung  auch  als  meine
hinstellen,  da  ich  sie  im  Sommersemester  1861  in  meinen  Vorträgen
aufstellte.  Damals  glaubte  ich,  es  müsse  jedenfalls  ^ojarofov  gelesen
werden;  jetzt  neige  ich  mich  mehr  der  Ansicht  zu,  dass  die  Überlieferung ­
  önolov  hei  der  von  mir  aufgestellten  Erklärung  aufrecht
erhalten  werden  könne.
            
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