Beiträge zur Kritik und Erklärung des Sophokles.
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A n h a n g (zu V. 356).
Über i = j.
Es gibt bekanntlich eine Anzahl homerischer Stellen, an denen,
wie allgemein anerkannt wird, das Schriftzeichen i nicht als Vocal,
sondern als der dem i-Vocal entsprechende Consonant j genommen
und mit dem folgenden Vocal zusammen durch Verschleifung ausgesprochen
werden muss. Diese Stellen sind 11. ß 357, 811; t 382; <p
567; Od. o 127, 229; 3 560; £ 263, 286. Diese homerischen Beispiele
genügen, um zu begreifen, dass auch die Tragiker sich nach
Homers Vorgang erlauben durften denselben Gebrauch von t zu
machen. Sehen wir doch auch sonst in zahlreichen Fällen, dass die
Tragiker wie in sprachlicher so auch in metrischer Hinsicht sich Ausnahmen
gestatten, die auf Nachahmung des homerischen Gebrauches
beruhen; man vergleiche in letzterer Hinsicht z. B. die Dehnung der
vorletzten Sylbe in ürczpoKltaig (Soph. Ant. 130).
Es finden sich nun in der That nicht eben gar selten bei den
Tragikern Stellen, an denen t als j gebraucht erscheint. Solche Stellen
werden freilich gewöhnlich für corrupt erklärt, aber oft mit Unrecht;
denn wo sonst kein stichhaltiger Verdächtigungsgrund vorliegt, da
begeht man eine petitio principii, wenn man diese durch die Autorität
der Handschriften verbürgte Erscheinung nicht anerkennt und die
bezüglichen Stellen zu ändern sucht.
Allerdings bieten nicht alle Stellen, welche manche Gelehrte (wie
Hermann Eil. doctr. metr. 1,10, 12 Matthiä Gramm. S. 127) anführen,
verlässliche Belege. Aber wenn man auch von den unzuverlässigen
oder sogar entschieden corrupten Stellen ahsieht, bleibt immerhin
eine nicht unbedeutende Anzahl solcher Stellen übrig, gegen die sich
kein gegründetes Bedenken erheben lässt und die sammt und sonders
für corrupt zu erklären, weil an ihnen t für j genommen werden muss,
sehr kühn und ungerechtfertigt wäre. Zu diesen sicheren Stellen
rechne ich Aesch. Suppl. 66 dnsipdoaxpiiv rz ■/.apötay. Sept. 271
yÜTGvzg dl y.apSicig p.ipip.va.1. Pers. 965 Mapouv dvdpwv p.vpi6vrapy^cv
(die Form pxipidvrapyog ist einerseits nach gebildet
und durch diese Analogie geschützt; anderseits kann an eine Corruptel
nicht gedacht werden, eben weil die Form ungewöhnlich ist).