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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 49. Band, (Jahrgang 1865)

Beiträge  zur  Kritik  und  Erklärung  des  Sophokles.

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tung  der  Antigone  ist;  namentlich  hat  sie  schon  dreimal  auf  das  Verhältniss
  zwischen  Antigone  und  Haimon  hingewiesen.  Von  dieser  lästigen ­
  Zudringlichkeit  will  sich  Kreon  durch  die  Worte  äyav  ye  XvTxdg
befreien.  Würden  Kreon’s  Worte  der  Antigone  gelten,  so  könnte  man
Xvrcdv  natürlich  nicht  in  dieser  Bedeutung  nehmen,  da  Antigone  mit
Kreon  seit  523  kein  Wort  gewechselt  und  seit  560  überhaupt  gar
nicht  gesprochen  hat.  Man  müsste  also  Xu/refv  in  der  eigentlichen  Bedeutung ­
  nehmen.  Nun  hat  aber  Jacob  ohne  Zweifel  vollkommen
richtig  bemerkt,  dass  sich  Kreon  gegen  Antigone  härter  geäussert
haben  würde;  er  würde  ihr  seinen  Hass  oder  Abscheu  ausgedrückt
haben.
Dass  der  Chor  sich  an  dem  Dialoge  mit  den  zwei  einzelnen  Versen ­
  574  und  576  hätte  betheiligen  sollen,  ist  an  und  für  sich  unwahrscheinlich, ­
  da  eine  Betheiligung  des  Chors  unter  solchen  Umständen,
wie  hier  (Ismene  ist  noch  anwesend,  ihr  Dialog  mit  Kreon  hat  mit
V.  570  offenbar  keinen  passenden  Abschluss  gefunden!),  gegen  den
Usus  der  Tragiker  ist.  Es  ist  aber  auch  nicht  anzunehmen,  dass  der
furchtsame  Chor  eine  solche  Vorstellung,  wie  sie  im  V.  574  enthalten
ist,  gewagt  haben  würde.  Seit  er  vom  Kreon  im  V.  280  f.  so  bitter
abgefertigt  worden  ist,  ist  er  ganz  kleinmüthig;  alle  seine  Äusserungen ­
  zeigen  dies;  vgl.  besonders  681  f.,  und  ausserdem  724  f.  770.
872.  929.  1-091  ff.  Sogar  Ilaimon's  Rede  vermag  ihm  nicht  den  Muth
einzuflössen,  sich  entschiedener  für  Antigone  und  Haimon  zu  verwenden; ­
  furchtsam  fügt  er  seinen  Worten  die  Clausel  d  ri  y.aipiov
liyet  ein.
Es  wäre  aber  V.  574.  576  auch  deshalb  im  Munde  des  Chors
unpassend,  weil  dieser  längst  weiss,  dass  Antigone  sterben  muss.  Er
hat  es  V.  471  f.  selbst  ausgesprochen,  dass  Antigone  durch  ihren
Trotz  sich  die  letzte  Hoffnung  auf  Rettung  abgeschnitten  hat;  er  hat
Kreon’s  Worte  V.  486  ff.  524  gehört;  unter  solchen  Umständen  und
bei  seiner  Furchtsamkeit  musste  er  schweigen.  Ismene  dagegen,  wenn
sie  auch  mehrmals  schon  Kreon's  Entschluss,  Antigone  zu  tödten,
gehört  hatte  (567.  569.  571),  konnte  und  musste  so  lange  für  Antigone ­
  sich  verwenden,  bis  äusserer  Zwang  es  unmöglich  machte,  bis
Kreon  den  Befehl  gab,  sie  sannnt  der  Schwester  abzuführen.  Hätte
Kreon  sie  noch  nicht  abführen  lassen,  sie  würde  sicher  trotz  der  in
V.  576  ausgesprochenen  Hoffnungslosigkeit  noch  weitere  Versuche,
Antigone  zu  retten,  gemacht  haben.
            
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