Beiträge zur Kritik Und Erklärung des Sophokles.
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eine Sache auszuspreclien. Wenn nun der Sprechende trotzdem die
Litotes Eotxsvat anwendet, so müssen wir, um die Kraft dieser Litotes
an jeder einzelnen Stelle lebhaft zu fühlen, uns dessen bewusst werden,
aus welcher Gemüthsstimmung die Litotes hervorgieng und mit
welchem Ton sie ausgesprochen ward. Vgl. El. 1048 cppovsiv eoixag
ovSsv dov £700 At/o). Chrysothemis weiss sehr gut, und zwar nicht erst
jetzt, sondern schon längst, dass'Elektra ippovsl ovosv cLv Asyet Xp.
Wenn nun ioixag ernst gemeint wäre, d. h. wenn Chrys. damit nur
eine wahrscheinliche Vermuthung hätte aussprechen wollen, so wäre
es unerträglich matt; aber sehr passend ist es, wenn es als eine mit
bitterem Tone gesprochene Litotes aufgefasst wird. Ai. 1120 d ro£otyis
eoixev ov ajXLxpdv tppovitv; die Litotes i'oixsv ist hier mit Hohn gesprochen.
Ant. 740 So’, Sig eotx.e, ry 7vvaixi cvp.p.a.yjX. Dass Haimon
aup.p.ay£i der Antigone, dass musste Kreon längst ganz bestimmt
wissen; 00? zoixev ist geradezu unerträglich, wenn es nicht für eine
mit Bitterkeit gesprochene Litotes angesehen wird; als solche aber ist
es sehr passend. Ai. 1139 ov piäAAov, S>g eoixev, v? Au7rv;c7op.£v.
El. 1115 f. riSrj <ja<psg npoyjupov ayßog, wg eoixe, Sspxop.ca. Dass
die Fremden die Asche des Orestes bringen, hat Elektra bereits gehört
und sie glaubt es fest; sie ist ferner vom tiefsten Schmerze
ergriffen: wie unnatürlich und kalt scheint da cbg eoixe im Munde der
Elektra zu sein, und wie unnatürlich und kalt wäre es wirklich, wenn
es nicht eben eine mit schmerzlichem Tone gesprochene Litotes wäre?
Ebenso Ai. 334. wo co? eoixe im Munde der Tekmessa auch nur
scheinbar kalt ist. Wichtig istEur. llek. 749 av6vr,za. 7’, ti>g eolxe,
rdvö'’ Sv siaopdg *).
Übrigens lässt sich noch ein specieller Grund anführen, welcher
beweist, dass der Dichter die Litotes üg eoixs sehr passend der Ismene
in den Mund gelegt hat. Thatsache ist, dass iotxsvca als Litotes sehr
häufig gebraucht wird, wenn der Sprechende etwas, was er früher
*) Ich erinnere noch an den namentlich hei Platon so häufigen litotetischen Gebrauch
des sotxs’vai, nämlich wenn dies Verbum als feinerer Ausdruck für einen sicheren
Schluss oder überhaupt da, wo die grösste Gewissheit ausgedrückt werden kann
und soll, gesetzt wird (vgl. videri); es liegt in der Anwendung dieser Litotes
ein feiner Humor. Ich führe diesen Gebrauch nicht als unmittelbare Analogie für
unsere Stelle an, sondern nur um zu zeigen, dass der litotetische Gebrauch von
eotxsvat auch sonst den Griechen sehr geläufig war.
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