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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 49. Band, (Jahrgang 1865)

Beiträge  zur  Kritik  Und  Erklärung  des  Sophokles.

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eine  Sache  auszuspreclien.  Wenn  nun  der  Sprechende  trotzdem  die
Litotes  Eotxsvat  anwendet,  so  müssen  wir,  um  die  Kraft  dieser  Litotes
an  jeder  einzelnen  Stelle  lebhaft  zu  fühlen,  uns  dessen  bewusst  werden, ­
  aus  welcher  Gemüthsstimmung  die  Litotes  hervorgieng  und  mit
welchem  Ton  sie  ausgesprochen  ward.  Vgl.  El.  1048  cppovsiv  eoixag
ovSsv  dov  £700  At/o).  Chrysothemis  weiss  sehr  gut,  und  zwar  nicht  erst
jetzt,  sondern  schon  längst,  dass'Elektra  ippovsl  ovosv  cLv  Asyet  Xp.
Wenn  nun  ioixag  ernst  gemeint  wäre,  d.  h.  wenn  Chrys.  damit  nur
eine  wahrscheinliche  Vermuthung  hätte  aussprechen  wollen,  so  wäre
es  unerträglich  matt;  aber  sehr  passend  ist  es,  wenn  es  als  eine  mit
bitterem  Tone  gesprochene  Litotes  aufgefasst  wird.  Ai.  1120  d  ro£otyis
  eoixev  ov  ajXLxpdv  tppovitv;  die  Litotes  i'oixsv  ist  hier  mit  Hohn  gesprochen. ­
  Ant.  740  So’,  Sig  eotx.e,  ry  7vvaixi  cvp.p.a.yjX.  Dass  Haimon
aup.p.ay£i  der  Antigone,  dass  musste  Kreon  längst  ganz  bestimmt
wissen;  00?  zoixev  ist  geradezu  unerträglich,  wenn  es  nicht  für  eine
mit  Bitterkeit  gesprochene  Litotes  angesehen  wird;  als  solche  aber  ist
es  sehr  passend.  Ai.  1139  ov  piäAAov,  S>g  eoixev,  v?  Au7rv;c7op.£v.
El.  1115  f.  riSrj  <ja<psg  npoyjupov  ayßog,  wg  eoixe,  Sspxop.ca.  Dass
die  Fremden  die  Asche  des  Orestes  bringen,  hat  Elektra  bereits  gehört ­
  und  sie  glaubt  es  fest;  sie  ist  ferner  vom  tiefsten  Schmerze
ergriffen:  wie  unnatürlich  und  kalt  scheint  da  cbg  eoixe  im  Munde  der
Elektra  zu  sein,  und  wie  unnatürlich  und  kalt  wäre  es  wirklich,  wenn
es  nicht  eben  eine  mit  schmerzlichem  Tone  gesprochene  Litotes  wäre?
Ebenso  Ai.  334.  wo  co?  eoixe  im  Munde  der  Tekmessa  auch  nur
scheinbar  kalt  ist.  Wichtig  istEur.  llek.  749  av6vr,za.  7’,  ti>g  eolxe,
rdvö'’  Sv  siaopdg  *).
Übrigens  lässt  sich  noch  ein  specieller  Grund  anführen,  welcher
beweist,  dass  der  Dichter  die  Litotes  üg  eoixs  sehr  passend  der  Ismene
in  den  Mund  gelegt  hat.  Thatsache  ist,  dass  iotxsvca  als  Litotes  sehr
häufig  gebraucht  wird,  wenn  der  Sprechende  etwas,  was  er  früher

*)  Ich  erinnere  noch  an  den  namentlich  hei  Platon  so  häufigen  litotetischen  Gebrauch
des  sotxs’vai,  nämlich  wenn  dies  Verbum  als  feinerer  Ausdruck  für  einen  sicheren
Schluss  oder  überhaupt  da,  wo  die  grösste  Gewissheit  ausgedrückt  werden  kann
und  soll,  gesetzt  wird  (vgl.  videri);  es  liegt  in  der  Anwendung  dieser  Litotes
ein  feiner  Humor.  Ich  führe  diesen  Gebrauch  nicht  als  unmittelbare  Analogie  für
unsere  Stelle  an,  sondern  nur  um  zu  zeigen,  dass  der  litotetische  Gebrauch  von
eotxsvat  auch  sonst  den  Griechen  sehr  geläufig  war.

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