Süß
K v i c a I a
„Auch dass Kreon s Antwort nur entschieden, nicht aber, wie er
sie gewiss nun Ismene ertheilt haben würde, schneidend ist, spricht
dafür, dass die Frage (574) dem Chor zugeschrieben wird“. Jacob.
Mit eisiger Kälte und Starrheit betont Kreon 575 die Unabänderlichkeit
seines Willens; er konnte diese Unabänderlichkeit nicht nachdrücklicher
heryorheben als durch Erwähnung des a.p.e'ihxrog "Atdv;?.
Dass Kreon eine solche starre Antwort, in welcher obendrein Hohn
nicht zu verkennen ist (dieser Hohn liegt in den Worten 6 nabawv
eyu), der Ismene nicht hätte ertheilen können, ist eine nichtige Behauptung.
Kreon will den fortwährenden Vorstellungen der Ismene
ein Ziel setzen und dazu war wahrlich keine Erwiederung geeigneter,
als die,die er gewählt hat. Diese Erwiederung war vollkommen geeignet,
Ismene von weiteren Versuchen abstehen zu machen; mit der
Resignation der Verzweiflung sagt sie nur noch oEOoyp.iv\ o>g so ixe,
ty/voe xarSavstv.
„Die Worte OEOoyixiv\ üg ioixs, rrivos y.arqfavsiv kann Ismene
noch viel weniger sagen als die vorhergehenden. Nur dem Chor ist
diese gleichgiltige Kälte angemessen, welche in den Worten offenbar
liegt, wenn sie auch nur eine äusserlich angenommene ist“. Böckh.
Die gleichgiltige Kälte konnte Böckh offenbar nur in der Parenthese
tjig eoixe finden, und diese Worte können nur dann für einen Ausdruck
gl ei chgiltiger Kälte genommen werden, wenn man sich dieselben mit
gleichgiltigem Tone gesprochen denkt. Was hindert uns denn aber
anzunehmen, dass Ismene dieselben mit Bitterkeit gesprochen hat?
Grund hatte sie wahrlich genug, ihre bittere Enttäuschung auszusprechen.
Seit V. 568 hat sie das ihrer Meinung nach wirksamste
Mittel, um Kreon's Sinn zu ändern, angewandt, um endlich zu der
Überzeugung zu gelangen, dass Alles fruchtlos ist. In verzweiflungsvoller
Resignation bezeichnet sie nun den unerbittlichen Starrsinn und
die Erfolglosigkeit ihrer Vorstellungen mit dedoyij.iva ruvos y.arBcf.-v£tv,
und thg eoixe spricht sie nicht mit Gleichgiltigkeit aus; auch will
sie damit nicht andeuten, dass noch nicht alle Hoffnung verloren sei,
sondern die Worte cl>g io ixe sind eine Litotes der Bitterkeit, eine
Litotes schmerzlicher Enttäuschung und verzweifelnder Resignation.
Zahllose Beispiele lassen sich dafür anführen, in denen das scheinbar
gleichgiltige eoixevcu von Personen, deren Stimmung nichts weniger
als ruhig ist, gebraucht wird, und zwar in einem solchen Falle, wo
der Sprechende in der Lage wäre, sich mit voller Bestimmtheit über