Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 49. Band, (Jahrgang 1865)

Beiträge  zur  Kritik  und  Erklärung  des  Sophokles.  505
nung  und  ein  nochmaliger  Versuch  ist,  den  Kreon  zu  bewegen,  auf
seinen  Sohn  Rücksicht  zu  nehmen  und  folglich  auch  die  Antigone
nicht  zu  tödten.  Darüber  wird  Kreon  unwillig,  und  während  er  bisher
den  Vorstellungen  der  Ismene  Gründe  entgegenzustellen  sich  herbeiliess,
  erwiedert  er  jetzt  barsch,  um  weitere  Vorstellungen  abzuschneiden, ­
  Ismene  sei  ihm  mit  ihrem  Gerede  von  der  Ehe  zuwider.  Aus
diesen  Worten  ersieht  Ismene,  dass  Kreon  sie  nicht  mehr  anhören
wolle  und  dass  sie  werde  schweigen  müssen.  Was  ist  nun  psychologisch ­
  natürlicher,  was  ist  dem  Charakter  der  Ismene  angemessener,
als  dass  sie,  bevor  sie  zum  Schweigen  gebracht  wird,  noch  einen,  den
letzten,  Versuch  macht?  Sie  will  es  noch  immer  nicht  glauben,  dass
Kreon  wirklich  gegen  seinen  eigenen  Sohn  so  rücksichtslos  verfahren
könnte  und  so  fragt  sie  denn  nochmals  yi  yäp  arep-naeig  röv
oavToO  yövov-,  Es  ist  auffallend,  dass  jene,  welche  V.  574  im  Munde
der  Ismene  unpassend  fanden,  wegen  V.  568,  nicht  die  diese  Frage
einleitenden  Partikeln  ydp  beachtet  haben.  T H  ydp  wird  bekanntlich ­
  gebraucht,  wenn  man  nach  etwas,  was  man  schon  gehört  hat  und
wornaeh  man  also  eigentlich  nicht  mehr  fragen  müsste,  dennoch  fragt,
weil  man  es  noch  immer  nicht  glauben  will.  Vgl.  El.  1221.  1222.
Ausserdem  beachte  man  auch,  wie  passend  V.  574  an  572  als  eine
sehr  natürliche  Ergänzung  sich  anschliesst.  V.  572  ist  allerdings  der
Absicht  der  Ismene  zufolge  auch  eine  Mahnung,  die  dem  Kreon  gilt,
aber  doch  nur  eine  indirecte  Mahnung;  formell  ist  ja  V.  572  nicht  an
Kreon  gerichtet,  formell  ist  V.  572  ein  Ausdruck  schmerzlicher  Sympathie ­
  für  Haimon.  Da  nun  diese  indirecte  Mahnung  nicht  wirkt,  was
ist  angemessener,  als  dass  Ismene,  was  sie  in  V.  572  ausgesprochen,
nun  direct  an  Kreon  richtet,  dass  sie  mit  arepriaetg  das  Verbum  dnpddei
  wieder  aufnimmt?  Endlich  bemerke  ich  noch,  dass  sich  für  eine
solche  Wiederholung,  wie  diese  ist,  aus  Sophokles  eben  so  wie  aus
den  anderen  Tragikern  zahllose  Beispiele  anführen  lassen.  So  fragt
Ismene  554  Y.dp.Tcldx&j  rov  aoü  p.6pov;  (vgl.  548).  Antigone  sagt  559
gv  p.ev  £rig,  77  d’  epr)  tyvyri  nakai  reSvrjy.ev,  was  sich  nur  formell
unterscheidet  von  555  au  p£v  ydp  eilou  driv,  iyco  de  xar-3-avsiy.

sagen,  dass  Ismene,  weil  sie  auf  den  von  Kreon  in  V.  565  ihr  und  der  Schwester
gemachten  Vorwurf  der  Schlechtigkeit  nicht  erwiedert,  sondern  einen  andern  Puncfc
berührt,  diesen  Vorwurf  als  einen  begründeten  hinniinmt.
Sitzb.  d.  phii.-hist.  CI.  XUX.  Bd.  II.  Hft.

33
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.