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bemerkt: „Die Möglichkeit einer solchen Deutung ist an sich nicht
zu leugnen; aber sie wird äusserst gewagt desshalb, weil Ismene das
W ort auf das Kreon durch rä adv X£y_og höhnend Bezug nehmen
würde, nicht gebraucht, ja noch mehr, weil sie in den letzten
Worten gar nicht direct von der Ehe gesprochen“. Aber sicher steht
sowohl V. 372 bedeutet hier nicht schmähen, sondern
es bezeichnet die schmähliche Behandlung, die sich darin zeigt, dass
Kreon dem Sohne seine Braut entziehen will), als auch V. 370 in
engster Beziehung zu V. 368 und zu der Vorstellung, welche Ismene
dem Kreon macht, er solle doch seinem eigenen Sohne nicht seine
Braut rauben und die beabsichtigte Ehe unmöglich machen. Und
diese Beziehung genügt vollständig, um rö aöv liyog in Ismene's
Munde gerechtfertigt zu finden. Seit 368 drehen sich alle Worte der
Ismene um diesen einen Punct, die beabsichtigte Ehe Haimon's; was
Wunder, wenn Kreon endlich ungeduldig ausruft: „Jetzt habe ich
dich mitsammt deiner Ehe, von der du fortwährend sprichst, satt“.
Dass Ismene nicht ausdrücklich das Wort Aiy^og angewandt hat, thut
der Möglichkeit dieser Erklärung keinen Eintrag. Vgl. El. 1110 oüx
ofoa rrjv arjv xXvoöv’, wo auch nicht das Wort xAvjöoüv, sondern yrfp?
vorausgeht. Ant. 95 dXX' ea ixe xat rrjv i£ E[xoO duaßovXiav kcc^eiv
rö östvöv roOro, wo Ismene früher weder ouaßov/Ja, noch ein sinnverwandtes
Suhstantivum gebraucht hat.
„Wie vortrefflich, wenn Antigone, die bisher in ihrem Schmerze
verstummt, nun da Kreon sie als schlechtes Weib bezeichnet,
ihrer bisher verschwiegenen Liehe gedenkend, aber diese auch nur
von Ferne andeutend, mit einer der Ismene nicht einmal angemessenen
Bitterkeit und tiefem Unwillen ausruft: „0 liebster Hämon,
wie entehrt der Vater dich, in mir nämlich, auf die er solche
Schmähung wirft!“ In ihrem Munde ist der Ausdruck um so grossartiger,
da sie den ihr zugefügten Schimpf nicht einmal insofern
beantwortet, als er sie betrifft, sondern nur inwiefern Hämon in ihr
verletzt wird“. Böckh. Ähnlich, nur noch schärfer, Bonitz: „Kreon
hatte durch xtx/.dg ywa.Tx.ag Antigone geschmäht, nicht seinen
Sohn; wenn Ismene hierauf entgegnet, so ist es natürlich, dass sie
die Schwester gegen solche Schmähung verwahrt; von Antigone
ist es hochherzig und zarter Ausdruck der Liebe, wenn sie auf die
Schmähung hinweist, die darin gegen ihren Bräutigam liegt, und sie
verwundet zugleich Kreon durch die geistige Überlegenheit, mit der