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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 49. Band, (Jahrgang 1865)

Beiträge  zur  Kritik  und  Erklärung  des  Sophokles.

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significavit  iis  verbis,  quae  posuit.  Nam  mortuis  necessario  incipit
utilis  esse,  qui  vivis  esse  desierit“.  Und  diese  Erklärung  nehmen
Sch  neide  win  —  Nauck  an:  „Du  lebst  (und  kannst  getrost
leben,  weil  du  noch  den  Lebenden  nützen  kannst),  mein  Leben
aber  ist  bei  den  Todten  (seit  Kreon's  Todesspruch  erfolgt  ist),
so  dass  ich  nur  noch  für  diese  Nutzen  stiften  kann“.
Mit  mehr  Recht,  als  Wunder,  kann  man  sich  darüber  wundern,
dass  seine  Erklärung  von  Jemandem  gebilligt  werden  konnte.  Was
berechtigt  uns  denn,  das  kleine,  aber  hochwichtige  Wörtchen  „nur“
einzuschieben?  was  bat  Wunder  dazu  berechtigt,  die  Erklärung
üjctts  xoXg  £cü<7!  p.v7X£r'  dxpsltiv  anzuwenden?  Die  überlieferten  Worte
können  für  den,  der  des  Scholiasten  Erklärung  verwirft,  doch  nur
bedeuten  „so  dass  ich  den  Todten  nütze  oder  nützen  kann“.
Hätte  Sophokles  seine  Worte  so  aufgefasst  wissen  wollen,  wie  sie
Wunder  auffasst,  er  hätte  ohne  Zweifel  fj.ovov  oder  ein  ähnliches
Wort  hinzufügen  müssen.  Und  wie  sonderbar  wäre  der  Ausspruch
„so  dass  ich  nur  noch  den  Todten  nützen  kann!“  Wir  wollen  nicht
untersuchen,  ob  nach  hellenischen  Begriffen  der  Mensch  mehr  bei
Lebzeiten  oder  nach  seinem  Tode  roi?  SavoOcnv  dxpütiv  kann;  aber
so  viel  ist  sicher,  dass  nach  den  Begriffen  der  Hellenen  der  Mensch
bei  Lebzeiten  gar  sehr  den  Gestorbenen  nützen  kann,  nämlich  durch
Bestattung,  wovon  Antigone  so  eben  selbst  eine  Probe  gegeben  hat.
Wie  befremdend  wäre  es  also,  wenn  Antigone,  welche  als  Lebende
dem  todten  Bruder  den  wichtigsten  Dienst,  der  einem  Verstorbenen
überhaupt  geleistet  werden  kann,  geleistet  hat  —  wenn  Antigone,
sage  ich,  jetzt  den  Ausspruch  thun  sollte  „ich  kann  von  nun  an  nur
den  Todten  nützen!“
Ohne  Zweifel  versteht  Antigone  unter  rofs  Savoüaiv  obfsAslv  die
dem  Polyneikes  erwiesene  Wohlthat  der  Bestattung.  Dass  dieser  Gedanke ­
  dem  Zusammenhänge  trefflich  entspricht,  ja  geradezu  erforderlich ­
  ist,  hat  auch  Dindorf  erkannt.  Aber  erbezweifelt,  dass  die
Überlieferung  diesen  Sinn  geben  könnte.  „Id  vero  non  inest  verbis  ut
scripta  in  codice  leguntur,  quae  non  vivam  mortuo  profuisse,  sed
mortuam  mortuo  vel  prodesse  vel  profuturam  esse  Polynici
significant,  quod  absurdum  est“.  Deshalb  vermutbet  er  surs  toi?
•Savoüffiv  oxfiiXovv.
Aber  die  Überlieferung  lässt  sich  vollkommen  rechtfertigen.  Es
ist  bekannt,  dass  in  der  Construction  des  üaxe  mit  dem  Infinitiv  nicht
            
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