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Aber auch die Leseart xaXcö? a0 /xiv toi?, rot? o ryw ’odxouv
'fpoveXv, welche sich ans den Scholien und dem Laur. als Überlieferung
eruiren lässt, ist sehr bedenklich. Nauck: „Die nicht recht
deutlichen Worte scheinen den Sinn zu haben: 'du glaubtest in
den Augen dieser, ich glaubte in den Augen jener vernünftig
zu handeln’, d. h. du suchtest dem Kreon, ich suchte dem Bruder
zu gefallen“. Mit Recht bemerkt Nauck im Anhänge dazu: „Die
Undeutlichkeit des vorliegenden Textes erregt Zweifel an der Richtigkeit
desselben“. Es ist bedenklich, die Dative rot? und rot? di
hier als Dative iudicii aufzufassen, da vielmehr jedermann wegen des
edsxouv sich veranlasst fühlt, die Dative mit sdo'xst? und iddxouv zu
verbinden. Und wenn man auch über dies Bedenken sich hinwegsetzen
und sagen wollte, dass diese Construction zwar hart und undeutlich,
aber doch nicht unmöglich sei: so stellt dieser Erklärung ein
noch wichtigeres Bedenken von Seiten des Gedankens entgegen. Wie
kann Antigone der Ismene den Vorwurf machen „du glaubtest in
Kreon's Augen vernünftig zu handeln“, was doch so viel ist als iddx.Et?
roü? [xiv (Kpsovra) yj y s i öS a t (nicht ^■yf/asa.S'ca oder r^sXoScn
av) ffs xaXtö? ypovsiv? Antigone wäre nur dann berechtigt gewesen,
ihrer Schwester diese n Vorwurf zu machen, wenn Kreon gleich damals
die Unterredung der beiden Schwestern gekannt hätte oder wenn
Ismene die Absicht gehabt hätte, ihm die Unterredung mitzutheilen
und so in seinen Augen als eine xcädj? ypovoOoa zu erscheinen.
Aber Ismene bat ja gerade im Gegentheil xpuyrj di xiu^s, <jüv d’
aurtü? jycö gesagt. Und dass Antigone hier mit absichtlichem Hohn
und absichtlicher Verdrehung ihrem damaligen Benehmen dies unlautere
Motiv hätte unterschieben sollen, ist ganz unwahrscheinlich; denn
es darf nicht übersehen werden, dass mit V. 551 in der Stimmung
der Antigone eine Veränderung vor sich geht, dass sie von diesem
Augenblick an milder gegen ihre Schwester ist. Offenbar ist die von
Ismene mit tiefstem Seelenschmerz ausgesprochene Frage ri raOr'
äviä? p.', ovdiv wcpsXoupivr; nicht ohne Eindruck auf Antigone’s Gemütli
geblieben, wie die Erwiederung ccXyoüaa piv 8yit\ d yilwz
iv rsoi -/cXü zeigt; und alle ihre folgenden Äusserungen tragen das
Gepräge dieser milderen Stimmung.
Ebenso ist auch die zweite schon vor Alters aufgestellte Erklärung
(die, wie oben gezeigt worden ist, der Scholiast aufgenommen
hat), der zufolge rot? und rot? di als instrumentale Dative aufgefasst