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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 49. Band, (Jahrgang 1865)

Beiträge  zur  Kritik  iirtd  Erklärung  des  Sophokles.

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srt  (d.  i.  wenigstens  jetzt,  da  sie  ihr  früher  nicht  behilflich  sein
wollte)  ihrer  Schwester  zu  nützen  wünschen?  Sie  betrachtet  offenbar
den  Tod  mit  ihr  als  den  einzigen  Dienst,  den  sie  ihr  jetzt  noch  erweisen ­
  kann;  und  so  spricht  sie  denn  V.  552  ebenso,  wie  in  allen  früheren
Äusserungen,  den  Wunsch,  mit  ihr  zu  sterben,  aus,  zugleich  aber  mit
einer  neuen  Begründung.  Während  sie  nämlich  V.  548  als  Grund  für
ihren  Wunsch  angibt,  dass  das  Leben  ohne  Antigone  keinen  Reiz  für
sie  habe,  deutet  sie  jetzt  an,  dass  sie,  wenn  sie  Antigones  Schiksal
theilt,  ihr  dadurch  einen  Trost  und  eine  Erleichterung  verschafft,
und  sie  bezweckt  damit  den  Widerstand  der  Antigone  zu  besiegen.
Aber  nicht  blos  tragen  alle  bisherigen  Äusserungen  das  Gepräge
der  Sehnsucht  nach  dem  Tode  mit  ihrer  Schwester,  sondern  auch
in  den  folgenden  Worten,  den  letzten,  die  sie  zu  ihrer  Schwester
spricht  (558)  sucht  sie  sieb  als  gleich  schuldig  darzustellen,  um  ihren
Wunsch  zu  erreichen.
Und  angesichts  dieser  zwei  Thatsachen  nun  wagt  man  es,  in
V.  556  plötzlich  einen  Vorwurf  zu  finden!  Denn  was  enthalten  die
Worte  des  Scholiasten  oder  Wunders  (sed  non  ita,  ut  non  dissuaserim,
  ne  faceres,  quo  tibi  mortem  conscisceres)  anderes  als  eine
vorwurfsvolle  Hinweisung  auf  den  Rath  der  Ismene?  Um  das  Widersinnige ­
  dieser  Auffassung  recht  grell  hervorzuheben,  denke  man  sich
folgende  Paraphrase  angewandt:  „Ich  wusste  ja,  dass  es  so  kommen
würde,  und  sagte  es  dir  als  aufrichtige  Freundin  voraus;  jetzt  ist  es
zu  spät.“  Es  hätte  nur  noch  gefehlt,  um  das  Maass  des  Widersinnigen
vollzumachen,  dass  man  aus  dieser  Auffassung  die  nahe  liegende  Consequenz
  gezogen  hätte.  Wenn  nämlich  die  Worte  der  Ismene  eine
Hinweisung  auf  den  guten  Rath,  den  sie  ihrer  Schwester  ertheilt  hat,
enthalten  sollen,  so  muss  man  doch  wohl  auch  in  den  Worten  der
Antigone  av  psv  yap  eiXou  £f/v,  syw  de  y.aräavtXv  eine  Regung  der
Reue  erblicken.
Das  Widersinnige  der  ersten  Erklärung  des  Scholiasten  haben
Böckh  und  Schneidewin  erkannt.  Ersterer  erklärt  „doch  nicht
mit  meiner  ungesprochenen  Überlegung,  das  ist,  aber  in
meinem  Herzen,  meinen  inneren  Gedanken  wählt’  ich  allerdings  den
Tod.“  Doch  diese  Auffassung  ist,  abgesehen  von  dem  unzulässigen
Gedanken,  auch  sprachlich  unstatthaft;  denn  in'  äpp^zoig  rot?  spot?
/,070t?  ist  nicht  =  ini  rot?  spot?  äppv/rot?  Ä0701?,  sondern  äppr,roi?
ist  prädicativ  aufzufassen.  Es  können  die  Worte  nichts  anderes  bedeu-Sitzb.
  d.  phil.-hist.  CI.  XL1X.  Bd.  II.  Hft.  -  32
            
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