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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 49. Band, (Jahrgang 1865)

Beitrage  zur  Kritik  und  Erklärung  des  Sophokles.

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838  erinnert  hat,  dass  die  Bewohner  der  Unterwelt  der  Ismene  erzürnt
sein  müssen,  wünscht  diese  wenigstens  mitzusterben  und  durch  dieses
Opfer  den  Pol.  zu  versöhnen“.  Aber  diese  Erklärung  ist  unstatthaft
wegen  der  dem  äyvitsiv  beigelegten  unmöglichen  Bedeutung  „versöhnen“; ­
  und  die  Auffassung,  dass  der  Tod  der  Ismene  gewissermassen
als  Äquivalent  für  die  von  ihr  versäumte  Bestattung  betrachtet  werden
könnte,  ist  ebenfalls  unzulässig.  Ausserdem  spricht  die  Antwort  der
Antigone  laut  und  entschieden  gegen  diese  Erklärung.
Die  unzweifelhaft  richtige  Erklärung,  der  zufolge  die  Infinitive
■S-avctv  und  xyviaai  in  verschiedener  Geltung  aufgefasst  werden
müssen  (-3-avetv  bezieht  sich  auf  die  Zukunft,  xyvioca  auf  die  Vergangenheit, ­
  und  zwar  auf  die  geschehene  Bestattung  des  Polyneikes),
hat  schon  Hermann  gegeben:  „Ne  dedignare  me  et  mori  tecum  et
iustis  peragendis  lustrasse  fratrem  (der  Zusatz  „ul  scilicet;  humato
bene  sit  apud  inferos“  ist  aber  zu  verwerfen).  Declarat  hoc  etiam  responsio
  Antigonae“.  Antigone  beantwortet  die  zwei  Bitten  ihrer  Schwester ­
  in  derselben  Ordnung,  in  welcher  die  Bitten  ausgesprochen  wurden; ­
  sie  behält  dasselbe  Hysteronproteron,  welches  Ismene  angewandt
hatte  (die  natürliche  Reihenfolge  wäre  yi^vigo.  ts  röv  Sccvovtcc  g\jv
cot,  3avoüpo:i  ts  gvv  go'i'),  bei.  Mit  pi;  pot  Sävyg  gv  xotvä  schlägt
sie  ihr  die  Bitte  pv/roi  p’  drtpäavj?  rö  pb  ov  3av£Tv  gvv  aoi  ah,  mit
pvjcT  ä  pvj  s3r/sg  die  Bitte  prirot  p’  dripdffYj?  tö  prj  ov  gvv  goI  röv
Savovra  ayv'iGca  (d.  i.  entziehe  mir  nicht  aus  Verachtung  meinen
Antheil  an  der  Bestattung  des  Todten)  ').  —  Da  jeder  Grieche  sofort
den  Ausdruck  äyv'i&iv  röv  -S-avövra  von  der  Bestattung  verstehen
musste,  und  da  jedermann  wusste,  dass  hier  nur  von  der  bereits  stattgefundenen ­
  Bestattung  des  Polyneikes  die  Rede  sein  kann,  so  konnte
sich  der  Dichter  diese  Verbindung  zweier  Infinitive  des  Aorists  in  verschiedener ­
  Geltung  sehr  gut  erlauben,  da  eben  eine  directe  Nöthigung
vorliegt,  ä-yv'iGai  auf  die  Vergangenheit  zu  beziehen.  '
Es  muss  also  entschieden  behauptet  werden,  dass  Ismene  auch
hier  noch  in  ihrer  hochherzigen,  aus  Schwesterliehe  hervorgehenden,

i )  ’ArtpLatJ-pc  passt  gut  auch  zum  zweiten  Gliede,  ohne  dass  man  nöthig  hätte,  zur
Annahme  eines  Zeugma  seine  Zuflucht  zu  nehmen  ;  denn  das  Läugnen  ihrer  Betheiligung ­
  an  der  stattgefundenen  Bestattung  sieht  Ismene  für  ein  solches  Läugnen
an,  das  in  dem  Gefühle  der  Verachtung,  und  in  der  Absicht,  sie  zu  kränken  und  zu
verhöh  neu,  seinen  Grund  hat.
            
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