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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 49. Band, (Jahrgang 1865)

Beitrage  zur  Kritik  und  Erklärung'  des  Sophokles.

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sagte,  ihren  Beistand  zurückgewiesen  haben.  Um  wie  viel  mehr  hatte
sie  jetzt  Ursache  zu  besorgen,  dass  Antigone  ihr  Geständniss  Lügen
strafen  und  ihr  keinen  Antheil  an  dem  Werke  zugestehen  würde!
Am  ehesten  glaubte  sie  noch  ihren  Zweck  dadurch  erreichen  zu  können, ­
  wenn  sie  ihrer  Schwester  einen  schüchternen  Wink  gäbe,  dass
sie  als  Mitschuldige  erscheinen  und  mit  ihr  gern  sterben  wolle,  dass
aber  die  Erreichung  dieses  Wunsches  von  ihrem  6y.oppoSdv  abhängig
sei.  Hätte  sie  ihre  Mitschuld  ohne  einen  solchen  Zusatz,  wie  dmp
rjd’  öjJ.öppoSel,  behauptet,  so  konnte  sie  im  Voraus  überzeugt  sein,
dass  Antigone  mit  Verachtung  ihre  Aussage  als  Lüge  bezeichnen
würde;  sie  wusste  ja,  dass  Antigone  ihre  That  als  eine  heilige  und
rühmliche  betrachte,  und  sie  musste  nach  dem,  was  in  der  ersten
Scene  sich  begeben  hatte,  auch  wissen,  dass  sie  ihr  einen  Antheil  an
diesem  Ruhme  nicht  zugestehen  würde.
Ich  sehe  also  in  dntp  v?ö’  dp.oppo.3st  einen  schüchternen  Wink,
den  sie  der  Antigone  gibt  und  der  nur  dieser  verständlich  ist,  eine
leise  Mahnung,  ihre  Aussage  nicht  zu  widerlegen.  Kreon,  der  von
dem  zwischen  beiden  Schwestern  stattgefundenen  Auftritte  nichts
weiss,  konnte  diesen  Wink  nicht  verstehen.  Für  ihn  war  das  Geständniss ­
  osöpaxa  roöpyov  die  Hauptsache;  die  Worte  s'inep  fio  <5poppo3sf
  überhörte  er  und  beachtete  sie  nicht;  und  wenn  er  sie  beachtet
hätte,  so  würde  er  sie  unbegreiflich  gefunden  haben,  da  er  den
Schlüssel  zum  Verständniss  derselben  nicht  hatte.  Übrigens  hat  Sophokles ­
  offenbar  Alles  gethan,  damit  Kreon  auf  den  der  Antigone
geltenden  Wink  nicht  aufmerksam  würde;  denn  nicht  genug  daran,
dass  Ismene  an  die  Spitze  ihrer  Antwort  die  kurze  und  bestimmte
Äusserung  fiidpxxa  rovpyov  stellt:  der  Dichter  lässt  sie  noch  nach
den  Worten  dresp  fjS'  0p.oppo.3-st  ihre  Mitschuld  in  sehr  nachdrücklicher ­
  Weise  betheuern.
Dass  Ismene  ihren  Zweck  nicht  erreichte,  kann  man  natürlich
nicht  als  Grund  gegen  die  Richtigkeit  der  gegebenen  Auffassung  geltend ­
  machen;  Antigone  wollte  eben  nicht  den  Wink  befolgen.  Daraus
aber,  dass  Antigone  das  Geständniss  ihrer  Schwester  widerlegte,  darf
man  nicht  folgern,  dass  Ismene  diese  Widerlegung  voraussah  und
provocirte,  weil  sie  berechnet  hätte,  dass  Kreon  atis  der  Widerlegung
der  Antigone  eine  viel  festere  Überzeugung  von  ihrer  Unschuld  gewinnen ­
  müsste,  als  wenn  sie  einfach  sich  für  unschuldig  erklärt  hätte.
Diese  Insinuation  muss  man  im  Interesse  des  Charakters  der  Ismene
            
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