Beiträge zur Kritik und Erklärung des Sophokles.
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hervorbrechender W ahrheitsliebe. Auch diese Annahme ist
nicht wahrscheinlich; sie stimmt auch nicht zu dem aufrichtigen Verlangen
der Ismene, sich als gleich schuldig darzustellen und mit der
Schwester zu sterben. Denn wenn die Aufrichtigkeit dieses ihres
Verlangens nicht zu bezweifeln ist, so würde dies Hervorbrechen der
Wahrheitsliebe sehr befremden; die Wahrheitsliebe musste schweigen,
wenn es Ismene mit dem Sterbenwollen Ernst war.
Bevor ich die Auffassung angebe, die mir nothwendig zu sein
scheint, ist noch die von Nauck erhobene Einwendung zu widerlegen:
„Gewöhnlich liest man dnzp f t o 6p.oppoSd, d. h. so gewiss
Antigone mir beistimmt, dass ich die That gethan habe. Dies kann
Ismene nicht sagen, schon desshalb, weil ihr nicht bekannt sein kann,
ob Antigone etwas über ihre, der Ismene, Betheiligung ausgesagt hat“.
Und im Anhänge nennt er die Überlieferung sinnlos. Aber muss denn
iiKsp 6p.oppoSd bedeuten „so gewiss Antigone behauptet“? Hat
Nauck übersehen, dass d-zp unzähligemal nicht die Voraussetzung,
dass etwas stattfindet, sondern eine blosse Bedingung bezeichnet,
von welcher der Sprechende nicht weiss, ob sic stattfindet oder statlfinden
wird, und von der er also auch nicht voraussetzen kann, dass
sie stattfindet oder stattfinden wird? Vgl. Phil. 21 si'zrsp sari ciojv Eur.
Phoen. 726 (wo Kreon mit djzsp ao^-'nav. einen Zweifel an dem Gelingen
ausspricht, also zur negativen Vermuthung sich hinneigt).
Doch Nauck hat wahrscheinlich nicht wegen des blossen dnep, sondern
wegen der Verbindung des drzsp mit dem Indicativ des
Präsens annehmen zu müssen geglaubt, dass dnep opoppoSeT „so
gewiss Antigone behauptet“ bedeuten müsste. Aber wie d mit dem
Indicativ des Futurs oft gleich ist dem edv mit dem Conjunctiv des
Aorists (beziehungsweise, wenn die Dauer ausgedrückt werden soll,
mit dem Conjunctiv des Präsens), so wird auch d mit dem Indicativ
des Präsens oft nicht von einer wirklich stattfindenden Thatsache,
sondern von einer blossen Bedingung gebraucht , die auch durch sdev
oder Srav mit dem Conjunctiv des Präsens ausgedrückt werden könnte.
Vgl. El. 29 ff. ff0 ös ö£stav dxorjv rot? epolg Aöyot? ötöoö?, d prj rt
xcupov ruy^ccvco (= setv o. orav [xr, rt ruy^ävoj), psSappciGov. El. 399.
(Es ist dies durchaus nichts Auffallendes, da auch in selbstständigen
Sätzen zuweilen durch das Präsens die Zukunft mit Lebhaftigkeit
präcipirt wird, wie Krüger sich ausdrückt; ebenso wird in lebhaften
Fragen der Indicativ des Präsens statt des Indicativs des Futurs