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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 49. Band, (Jahrgang 1865)

Beiträge  zur  Kritik  und  Erklärung  des  Sophokles.

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hervorbrechender  W  ahrheitsliebe.  Auch  diese  Annahme  ist
nicht  wahrscheinlich;  sie  stimmt  auch  nicht  zu  dem  aufrichtigen  Verlangen ­
  der  Ismene,  sich  als  gleich  schuldig  darzustellen  und  mit  der
Schwester  zu  sterben.  Denn  wenn  die  Aufrichtigkeit  dieses  ihres
Verlangens  nicht  zu  bezweifeln  ist,  so  würde  dies  Hervorbrechen  der
Wahrheitsliebe  sehr  befremden;  die  Wahrheitsliebe  musste  schweigen, ­
  wenn  es  Ismene  mit  dem  Sterbenwollen  Ernst  war.
Bevor  ich  die  Auffassung  angebe,  die  mir  nothwendig  zu  sein
scheint,  ist  noch  die  von  Nauck  erhobene  Einwendung  zu  widerlegen: ­
  „Gewöhnlich  liest  man  dnzp  f t o  6p.oppoSd,  d.  h.  so  gewiss
Antigone  mir  beistimmt,  dass  ich  die  That  gethan  habe.  Dies  kann
Ismene  nicht  sagen,  schon  desshalb,  weil  ihr  nicht  bekannt  sein  kann,
ob  Antigone  etwas  über  ihre,  der  Ismene,  Betheiligung  ausgesagt  hat“.
Und  im  Anhänge  nennt  er  die  Überlieferung  sinnlos.  Aber  muss  denn
iiKsp  6p.oppoSd  bedeuten  „so  gewiss  Antigone  behauptet“?  Hat
Nauck  übersehen,  dass  d-zp  unzähligemal  nicht  die  Voraussetzung,
dass  etwas  stattfindet,  sondern  eine  blosse  Bedingung  bezeichnet,
von  welcher  der  Sprechende  nicht  weiss,  ob  sic  stattfindet  oder  statlfinden
  wird,  und  von  der  er  also  auch  nicht  voraussetzen  kann,  dass
sie  stattfindet  oder  stattfinden  wird?  Vgl.  Phil.  21  si'zrsp  sari  ciojv  Eur.
Phoen.  726  (wo  Kreon  mit  djzsp  ao^-'nav.  einen  Zweifel  an  dem  Gelingen ­
  ausspricht,  also  zur  negativen  Vermuthung  sich  hinneigt).
Doch  Nauck  hat  wahrscheinlich  nicht  wegen  des  blossen  dnep,  sondern ­
  wegen  der  Verbindung  des  drzsp  mit  dem  Indicativ  des
Präsens  annehmen  zu  müssen  geglaubt,  dass  dnep  opoppoSeT  „so
gewiss  Antigone  behauptet“  bedeuten  müsste.  Aber  wie  d  mit  dem
Indicativ  des  Futurs  oft  gleich  ist  dem  edv  mit  dem  Conjunctiv  des
Aorists  (beziehungsweise,  wenn  die  Dauer  ausgedrückt  werden  soll,
mit  dem  Conjunctiv  des  Präsens),  so  wird  auch  d  mit  dem  Indicativ
des  Präsens  oft  nicht  von  einer  wirklich  stattfindenden  Thatsache,
sondern  von  einer  blossen  Bedingung  gebraucht  ,  die  auch  durch  sdev
oder  Srav  mit  dem  Conjunctiv  des  Präsens  ausgedrückt  werden  könnte.
Vgl.  El.  29  ff.  ff0  ös  ö£stav  dxorjv  rot?  epolg  Aöyot?  ötöoö?,  d  prj  rt
xcupov  ruy^ccvco  (=  setv  o.  orav  [xr,  rt  ruy^ävoj),  psSappciGov.  El.  399.
(Es  ist  dies  durchaus  nichts  Auffallendes,  da  auch  in  selbstständigen
Sätzen  zuweilen  durch  das  Präsens  die  Zukunft  mit  Lebhaftigkeit
präcipirt  wird,  wie  Krüger  sich  ausdrückt;  ebenso  wird  in  lebhaften ­
  Fragen  der  Indicativ  des  Präsens  statt  des  Indicativs  des  Futurs
            
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