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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 49. Band, (Jahrgang 1865)

Beiträge  zur  Kritik  und  Erklärung  des  Sophokles.

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nis  preisen  wollte;  aber  der  folgende  Vers  und  dessen  gegensätzliche
Beziehung  auf  die  Worte  rovroig  toOto  x.  r.  k.  helehren  uns,  wie
wenig  ernstlich  dieser  Lohpreis  gemeint  ist.
Der  einzige  erhebliche  Einwand  ist  der,  dass  zwischen  V.  506.
507  und  der  folgenden  Äusserung  Kreon’s  (SOS)  kein  Zusammenhang
stattfindet.  Denn  unzweifelhaft 1 )  beziehen  sich  Kreon’s  Worte
aü  —  öpä?  auf  die  Äusserung  roOroig  tgvto  kügiv  dvoavsiv  ksyocr'  äv.
Auf  die  zuversichtliche  Behauptung,  dass  alle  anwesenden  Thebaner
die  That  gutheissen  würden  (wenn  sie  nicht  Furcht  daran  hinderte),
erwiedert  Kreon  höhnisch,  dass  Antigone  mit  ihrer  die  Überzeugung
und  Anschauung  der  Greise  betreffenden  Wahrnehmung  isolirt  dastelie,
  dass  die  Greise  von  dieser  Anschauung,  die  ihnen  Antigone
zumuthet,  nichts  wissen.  Man  kann  also  Kreon’s  Worte  paraphrasiren:
  „Du  hist  so  scharfsichtig,  dass  du  diese  angebliche  Herzensmeinung ­
  (näml.  dvdavsi  17p.1v  röfIokvvsUyj  ratprjvca)  dieser  Kadmeer  einzig
und  allein  entdeckst;  diese  Männer  selbst,  die  doch  am  ehesten
wissen  müssten,  was  in  ihrem  Herzen  vorgeht,  wissen  nichts  von  der
Anschauung,  die  du  ihnen  zumuthest“.  Dazu  stimmt  trefflich  die
Entgegnung  der  Antigone:  „Dies  opäv,  welches  nach  deiner  Ansicht
ich  allein  habe,  besitzen  auch  diese;  sie  wissen  recht  gut,  dass  ihre
Herzensmeinung  über  diesen  Gegenstand  gerade  so  beschaffen  ist;
aber  sie  verschweigen  dieselbe  aus  Furcht“.
Da  nun  diese  Beziehung  von  V.  508  auf  die  Worte  toOt01g  —  ki-7<7it’
  m  constatirt  ist,  so  gestehe  auch  ich,  dass  ich  es  zweckmässiger ­
  fände,  wenn  Sophokles  die  Rede  der  Antigone  mit  V.  505  geschlossen ­
  hätte;  trotzdem  aber  bin  ich  weit  davon  entfernt,  der  über
V.  506.  507  ausgesprochenen  Athetese  beizustimmen;  denn  ein

*)  Unrichtig  gibt  der  Scholiast  die  lieziehung  so  an:  uoi  jJ-ivr)  roÜTO  (JoxEi  Stxoaciv
sfvat,  rafvjvai  zöv  IloXuveöaj;  er  hätte  vielmehr  sagen  sollen  croi  |«vv)  zcjOzo
öoxsT,  SriXovdvi  rö  zoiaSs  Kad^üo^i  SoxSlv  Sixaiov  eivai,  rayxival  röv  IIoX-jvstxV).
  Unrichtig 1  ist  auch  Jacob’s  Behauptung:  „Diese  Worte  können  nicht  auf
Antigone’s  Äusserung  über  die  wirkliche  Meinung  der  Anwesenden  gehen,  weil
Kreon  nicht  sagen  konnte:  sie  seihst  sehen  nicht,  sondern  nur  du  siehst,  dass  sie
in  ihrem  Herzen  deine  That  billigen“,  wodurch  Jacob  veranlasst  wird,  mit  der
Athetese  von  506.  507  sich  nicht  zu  begnügen,  sondern  auch  noch  508  für  unecht
zu  erklären,  was  wiederum  die  Athetese  von  509  zur  nothwendigen  Folge  hat.
Jacob  hat  übersehen,  dass  V.  508  nicht  blos  möglich,  sondern  auch  in  höchstem
Grade,  treffend  ist,  wenn  er  ironisch  aufgefasst  wird,  wie  im  Text  auseinandergesetzt ­
  ist.  •

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