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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 49. Band, (Jahrgang 1865)

Beiträge  zur  Kritik  und  Erklärung  des  Sophokles.

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ist  ipsvdv  zu  ergänzen,  oder  richtiger  gesagt,  ipsudrj  ist  gemeinschaftliches ­
  Suhject  von  doxy  und  doxst  gerade  so,  wie  wenn  der  Satz  z.  B.
folgende  Fassung  hätte  xsi  \psvdy  aot  dox.st,  ocXW  ö'p.co?  doxsl.  Ein
xo/xtpsOstv  im  Gebrauch  von  doxsXv  lässt  sich  auch  hei  der  vorgeschlagenen ­
  Leseart  y  ostvov,  yv  doxy  72,  xsi  feudi7  doxs  1  nacliweisen.  Es
ist  nämlich  xsi  fsudy  doxst  (näml.  otuzGÖ)  =  xsi  ■psvdfj  dö£av  syst,  so
dass  doxst  fxoi  in  derselben  Bedeutung  gebraucht  ist  wie  doxtö  (opinor);
  in  den  Worten  yv  doxy  72  dagegen  hat  doxst  im  Grunde  zwar
auch  diese  Bedeutung;  aber  durch  den  Gegensatz  zwischen  xcct  si
•psvdy  doxst  und  r,v  doxy  und  besonders  durch  das  dem  doxy  hiuzugelugte
  7i  wird  bewirkt,  dass  ooxy  eine  stärkere  (prägnante)  Bedeutung ­
  „veri  simile  videtur“  erhält.  Eine  strenge  Grenze  zwischen  den
zwei  Bedeutungen  „es  scheint  mir  etwas,  es  kommt  mir  vor“  und  „es
kommt  mir  etwas  wahrscheinlich  vor“  lässt  sich  ohnehin  nicht  ziehen;
es  hängt  von  dem  jedesmaligen  Contexte  ah,  ob  doxst  [xoi  rt  die
schwächere  oder  stärkere  Bedeutung  haben  soll.  Bezüglich  dieser
stärkeren  Bedeutung  vgl.  man  Dem.  23,  71  äv  d'  akth  xcä  doxy
styydaStat  oder  Plat.  Phaidr.  273  B  [xy  tl  ällo  AI7st  (T10tag)  r0  sb.dg
r,  ri  tw  xXriSst  doxoOv  und  den  ähnlichen  Gebrauch  des  lat.  videri,
über  den  Cicero  sagt:  „Maiores  nostri  voluerunt,  quae  iurati  iudices
cognovissent,  ea  non  11t  esse  facta,  sed  ut  videri  pronunciarent“.
Dasselbe  gilt  von  doxslv  in  der  Construction  doxöi  rt  elvca,  die  je
nach  dem  Contexte  eine  schlichte  Vermuthuug  oder  eine  feste  Ansicht
bezeichnen  kann.  Man  könnte  das  Wortspiel  an  unserer  Stelle  etwa
so  nachzubilden  versuchen:  „Wahrlich  schlimm  ist’s,  wann  Einem,
auch  wenn  ihm  Falsches  scheint,  es  dennoch  scheint“  (d.  h.  für  ihn
Wahrscheinlichkeit  hat).
Für  diese  Fassung  der  Stelle  scheint  mir  besonders  die  Partikel
7£  zu  sprechen.  Dies  72  ist  zwar  auch,  wenn  wir  Böckh  folgen,
nicht  unmöglich,  aber  doch  ziemlich  müssig.  Wie  treffend  es  dagegen
in  dem  Satze  öitvöv,  r,v  doxy  7s,  xsi  tpsvdy  ooxsl  angewandt  ist,
lässt  sich  leicht  zeigen.  Durch  die  dem  ye  innewohnende  bekräftigende ­
  und  hervorhebende  Geltung  wird  man  veranlasst,  das  Wort,
an  welches  sich  7s  anlehnt,  im  Gegensätze  zu  etwas  Anderem  sich  zu
denken,  und  dieser  Gegensatz  besteht  an  unserer  Stelle  zwischen
psudy  doxst  und  doxy.  Sehr  anschaulich  tritt  die  Function  des  7£
hervor,  wenn  man  aus  dem  allgemeinen  Ausspruch  des  Wächters  die
Anwendung  auf  den  vorliegenden  Fall,  der  ihm  vorschwebte,  heraus-
            
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