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K v i c a I a
mit einer Litotes „ich will nicht sagen, dass ich etwa athemlos vor
Eile komme“ ; darauf folgt dieBegründung dieser Aussage (22o—230);
es ist nun sehr natürlich und angemessen, dass der Bote nach Abschluss
dieser Begründung seine vor dieser Begründung ausgesprochene
Behauptung nochmals aufnimmt, und dass dies passender durch
r/WTov ayolfi rayOg als vjv. ay. ßpadOg geschieht, unterliegt keinem
Zweifel, da Gyoly zayyg eine ähnliche humoristische Litotes ist wie
in V. 223 f. Dagegen wäre rivurcv G-yolri ßpadiig, mag man Gyolri
mit v/vutov verbinden oder die Verbindung mit ßpadüg wagen, eine
lästige Häufung.
Was die Erklärung von cr/oÄf; rcc/yg betrifft, so möchte ich
darin nicht ein Oxymoron (ich eilte mit Weile) nach Analogie von
GTzsCids ßpadio>g finden; vielmehr ist wohl geradezu anzunehmen, dass
Gyylri zayyg eine ähnliche Litotes ist, wie ov xavu zccyvgi). Statt
„mit Mühe, kaum“ bedeutet eben oyylri nicht selten „gar nicht“.
0 Die Litotes spielt im Griechischen eine viel grössere Rolle, als man ihr gewöhnlich
einräumt. Bei ov Travu, wenn es die Bedeutung- „gar nicht“ hat, lässt sich die Annahme
der Litotes nicht abweisen. Irrthümlich erklärt Bäumlein (Untersuchungen
über griech. Partikeln S. 308) die Bedeutung von ou 7Tavu in folgender Weise :
„Eine ähnliche logische Ungenauigkeit (nämlich wie bei ov ipvjpi, ov ^atverat)
ist es, wenn ov rravv, ov rax^yv und dergl. stets und ohne Ausnahme im Sinne
von 7ravv ov durchaus nicht steht, und es lässt sich dieselbe nur in der Art
erklären, dass dem regierenden ov noch erklärend hinzugeliigt ward: und zwar
durchaus- (nicht).“ Vielmehr ist ov Travv, welches eigentlich bedeuten sollte
„nicht durchaus, nicht vollständig“ (wobei also die Möglichkeit der Bedeutung
„einigermassen, theilweise“ nicht ausgeschlossen wäre) zu der Bedeutung „gar
nicht“ auf dieselbe Weise gelangt, wie ov xaxiorog, oux sXxyiavog, ovy vj'xtara,
ovx aiaypog u. dgl. Ausdrücke (welche an und für sich genommen die Möglichkeit
von xaxo£, p.Lxpog u. s. w. nicht ausschliessen) zu der Bedeutung äpiavog,
[j.e'ytöToc, p.a\ioTa, xaXog gelangt sind, nämlich zufolge einer Litotes. Natürlich
ist anzunehmen, dass die Griechen bei der Anwendung der Litotes durch den Ton,
mit welchem sie ausgesprochen ward (und zwar durch den humoristisch geinüthlichen
oder in entgegengesetzten Fällen durch den spöttischen Ton), zu erkennen
gaben, dass die Worte an und für sich weniger besagen, als man in sie hineingelegt
wissen wollte, gerade so wie man im Deutschen bet der Anwendung der Litotes
„dieser Wein ist nicht übel“ oder „das war nicht eben sehr gescheidt“ durch den
Ton zu verstehen gibt, dass inan mehr meint, als man wirklich sagt. So ist also
auch ou 7ravu &£(Joxrat (Plat. Phaidr. 228 E) „ich bin nicht eben sehr gesonnen“
(d. i. ich bin gar nicht gesonnen), ov rravu ds GTZOvdctiog (eb. 242 C) „nicht eben
ein tüchtiger (d. i. ein schlechter) Seher“.