Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 49. Band, (Jahrgang 1865)

432

K  v  i  c  a  I  a

mit  einer  Litotes  „ich  will  nicht  sagen,  dass  ich  etwa  athemlos  vor
Eile  komme“  ;  darauf  folgt  dieBegründung  dieser  Aussage  (22o—230);
es  ist  nun  sehr  natürlich  und  angemessen,  dass  der  Bote  nach  Abschluss ­
  dieser  Begründung  seine  vor  dieser  Begründung  ausgesprochene ­
  Behauptung  nochmals  aufnimmt,  und  dass  dies  passender  durch
r/WTov  ayolfi  rayOg  als  vjv.  ay.  ßpadOg  geschieht,  unterliegt  keinem
Zweifel,  da  Gyoly  zayyg  eine  ähnliche  humoristische  Litotes  ist  wie
in  V.  223  f.  Dagegen  wäre  rivurcv  G-yolri  ßpadiig,  mag  man  Gyolri
mit  v/vutov  verbinden  oder  die  Verbindung  mit  ßpadüg  wagen,  eine
lästige  Häufung.
Was  die  Erklärung  von  cr/oÄf;  rcc/yg  betrifft,  so  möchte  ich
darin  nicht  ein  Oxymoron  (ich  eilte  mit  Weile)  nach  Analogie  von
GTzsCids  ßpadio>g  finden;  vielmehr  ist  wohl  geradezu  anzunehmen,  dass
Gyylri  zayyg  eine  ähnliche  Litotes  ist,  wie  ov  xavu  zccyvgi).  Statt
„mit  Mühe,  kaum“  bedeutet  eben  oyylri  nicht  selten  „gar  nicht“.

0  Die  Litotes  spielt  im  Griechischen  eine  viel  grössere  Rolle,  als  man  ihr  gewöhnlich
einräumt.  Bei  ov  Travu,  wenn  es  die  Bedeutung-  „gar  nicht“  hat,  lässt  sich  die  Annahme ­
  der  Litotes  nicht  abweisen.  Irrthümlich  erklärt  Bäumlein  (Untersuchungen
über  griech.  Partikeln  S.  308)  die  Bedeutung  von  ou  7Tavu  in  folgender  Weise  :
„Eine  ähnliche  logische  Ungenauigkeit  (nämlich  wie  bei  ov  ipvjpi,  ov  ^atverat)
ist  es,  wenn  ov  rravv,  ov  rax^yv  und  dergl.  stets  und  ohne  Ausnahme  im  Sinne
von  7ravv  ov  durchaus  nicht  steht,  und  es  lässt  sich  dieselbe  nur  in  der  Art
erklären,  dass  dem  regierenden  ov  noch  erklärend  hinzugeliigt  ward:  und  zwar
durchaus-  (nicht).“  Vielmehr  ist  ov  Travv,  welches  eigentlich  bedeuten  sollte
„nicht  durchaus,  nicht  vollständig“  (wobei  also  die  Möglichkeit  der  Bedeutung
„einigermassen,  theilweise“  nicht  ausgeschlossen  wäre)  zu  der  Bedeutung  „gar
nicht“  auf  dieselbe  Weise  gelangt,  wie  ov  xaxiorog,  oux  sXxyiavog,  ovy  vj'xtara,
ovx  aiaypog  u.  dgl.  Ausdrücke  (welche  an  und  für  sich  genommen  die  Möglichkeit ­
  von  xaxo£,  p.Lxpog  u.  s.  w.  nicht  ausschliessen)  zu  der  Bedeutung  äpiavog,
[j.e'ytöToc,  p.a\ioTa,  xaXog  gelangt  sind,  nämlich  zufolge  einer  Litotes.  Natürlich
ist  anzunehmen,  dass  die  Griechen  bei  der  Anwendung  der  Litotes  durch  den  Ton,
mit  welchem  sie  ausgesprochen  ward  (und  zwar  durch  den  humoristisch  geinüthlichen
  oder  in  entgegengesetzten  Fällen  durch  den  spöttischen  Ton),  zu  erkennen
gaben,  dass  die  Worte  an  und  für  sich  weniger  besagen,  als  man  in  sie  hineingelegt
wissen  wollte,  gerade  so  wie  man  im  Deutschen  bet  der  Anwendung  der  Litotes
„dieser  Wein  ist  nicht  übel“  oder  „das  war  nicht  eben  sehr  gescheidt“  durch  den
Ton  zu  verstehen  gibt,  dass  inan  mehr  meint,  als  man  wirklich  sagt.  So  ist  also
auch  ou  7ravu  &£(Joxrat  (Plat.  Phaidr.  228  E)  „ich  bin  nicht  eben  sehr  gesonnen“
(d.  i.  ich  bin  gar  nicht  gesonnen),  ov  rravu  ds  GTZOvdctiog  (eb.  242  C)  „nicht  eben
ein  tüchtiger  (d.  i.  ein  schlechter)  Seher“.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.