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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 49. Band, (Jahrgang 1865)

Beiträg-e  zur  Kritik  und  Erklärung-  des  Sophokles.

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Hermann's  Erklärung  an,  ohne  sie  ausdrücklich  zu  billigen  oder  zu
missbilligen;  dass  er  sie  stillschweigend  verwirft,  geht  aus  seinen
weiteren  Worten  hervor,  mit  denen  er  seine  Auffassung  der  Stelle
zwar  nicht  so  entschieden  wie  früher  (Jahn  s  Jahrb.  LXV,  S.  240)
als  richtig  bezeichnet,  aber  doch  immer  noch  als  die  wahrscheinlichste ­
  hinstellt:  „Vielleicht  ist  fuy_pög  für  dr,rjr,q  zu  nehmen,  so  dass
der  Sinn  ist:  nach  kalten  Schicksalsstürmen  hast  du  heisses  Blut“.
Dindorf  (ed.  tert.):  „calidum  cor  habes  ubi  frigido  opus  est“.
Diese  beiden  Erklärungen,  sowie  alle  anderen  Erklärungen  mit
Ausnahme  der  von  Hermann  gegebenen,  heben  den  Zusammenhang
zwischen  V.  88  und  den  vorausgehenden  Worten  der  Antigone  (86.
87)  auf.  Von  .Hermann's  Erklärung  dagegen  lässt  sich  beweisen,
dass  durch  dieselbe  V.  88  in  enge-Beziehung  zu  V.  86  f.  gebracht
wird,  und  dies  ist  ein  gewichtiges  Zeugniss  für  die  Richtigkeit  derselben; ­
  denn  man  ist  doch  von  vornherein  zu  der  Annahme  berechtigt, ­
  dass  bei  der  sticbomythischen  Anordnung  Rede  und  Gegenrede
mit  einander  in  inniger  Wechselbeziehung  stehen  müssen,  und  Ausnahmen ­
  davon  darf  man  unnöthiger  Weise  nicht  statuiren.  Ismene
fordert,  als  sie  den  hartnäckigen  Trotz  der  Antigone  sieht,  ihre
Schwester  auf,  die  Thal,  die  sie  vorhat,  wenigstens  geheim  zu  halten
und  verspricht  ihr  ihrerseits  ebenfalls  Verschwiegenheit.  Diesen  Liebesdienst ­
  weist  Antigone  höhnisch  zurück  und  fordert  sie  auf,  in  der
ganzen  Stadt  es  zu  verkünden.  Nun  war  aber  auf  die  Bestattung  des
Polyneikes  die  Todesstrafe  gesetzt;  Antigone  bekundet  also  in  den
Augen  der  Ismene  den  höchsten  Grad  leidenschaftlicher  Verwegenheit, ­
  da  sie  vor  dem  Tode  so  wenig  zurückschreckt,  dass  sie  vielmehr
ihre  Schwester  auffordert,  die  That  öffentlich  zu  verkündigen  und
ihr  dadurch  sicheren  Tod  zu  bereiten.  Überdies  musste  Ismene  aus
den  Worten  der  Antigone  (86  f.)  auch  entnehmen,  dass  sie  der  Aufforderung ­
  uA'a  ouv  npoy.r)vO'jr,g  ye  rovro  ixr/osvi  roüpyov,  y.pvffi  oe
y.Büät  nicht  nachkommen,  sondern  sich  vielmehr  offen  ihrer  That  rühmen ­
  werde.  Diese  leidenschaftliche  Verwegenheit  bezeichnet  Ismene
mit  den  Worten  3-spp.f,v  y.apdizv  iyj-is,  wie  ja  Sepp.ig  nicht  selten
„leidenschaftlich,  verwegen“  bedeutet.  Im  Gegensätze  dazu  wird  nun
mit  ipuy^poLtn  die  That,  welche  Antigone  vorhat,  sammt  ihren  Folgen
als  etwas  bezeichnet,  was  geeignet  ist,  vor  Schrecken  erstarren  zu
machen;  auf  Antigone  üben  aber  diese  ^ivy_pd  nicht  den  Einfluss  aus,
den  sie  nach  Ismene's  Ansicht  ausühen  sollten,  sondern  sie  benimmt
            
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