Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 49. Band, (Jahrgang 1865)

386

S  i  c  k  e  l

Anmerkungen  verzeichnet.  Ob  auch  jede  der  von  mir  vorgeschlagenen ­
  Emendationen  richtig  oder  glücklich  gewählt  ist,  darüber  wird
sich,  obgleich  ich  jede  derselben  durch  den  Wortlaut  analoger  Urkunden ­
  zu  belegen  weiss,  vielleicht  noch  streiten  lassen.  Wenn  ich  nur,
darauf  kam  es  mir  an,  dem  Sinne  nach  das  Richtige  getroffen  und
damit  auch  die,  welche  minder  mit  der  Fassung  der  Urkunden  der
betreffenden  Zeit  vertraut  sind,  vor  offenbarem  Missverständnis
bewahrt  habe.
Nun  wird  sich  aber  besonders  hei  diesen  Diplomen  nie  eine  scharfe
Grenze  zwischen  der  Emendation  bedürftigen  und  derselben  nicht
bedürftigen  Stellen  ziehen  lassen.  Bis  in  die  letzten  Jahre  Karl  d.  G.
sind  auch  die  Königsdiplome,  wenn  wir  uns  an  die  noch  vorhandenen
Originale  halten,  voller  Yerstösse  gegen  die  Formenlehre,  unbeholfenen ­
  oder  geradezu  falschen  Satzbaues,  und  mag  auch  das  Verständnis ­
  dadurch  vielfach  erschwert  werden,  so  gehört  doch  auch
diese  Latinität  zu  dem  Charakter  der  Urkunden.  Begegnen  uns  nun
gleich  falsche  Formen  und  gleich  schlechte  Constructionen  ebenfalls
in  den  späteren  Copien,  so  lässt  sich  nur  in  äusserst  seltenen  Fällen
mit  einiger  Sicherheit  feststellen,  oh  wir  es  da  mit  aus  den  Originalen
herübergenommenen  Eigenthümlielikeiten  oder  mit  von  den  Copisten
absichtlich  oder  unabsichtlich  vorgenommenen  Änderungen  zu  tliun
haben.  Solchem  Zweifel  gegenüber  hört  aber  nicht  allein  das  Bedürfnis, ­
  sondern  auch  das  Recht  zur  Emendation  auf,  und  dem  entsprechend ­
  habe  ich,  was  die  Latinität  betrifft,  keinen  Buchstaben  der  mir
vorliegenden  Copien  verändert.
Geradezu  sinnlose  Sätze  wird  man  auch  bei  offenbar  überarbeiteten ­
  und  interpolirten  Stücken  stehen  lassen  müssen.  Absichtliche
Einschaltungen  in  schon  vorhandene  Perioden  verrathen  sich  oft  eben
dadurch,  dass  es  dem  Interpolator  nicht  gelungen  ist,  dieselben  richtig ­
  in  den  vorliegenden  Satzbau  einzufügen,  und  jeder  Versuch  der
Emendation  solcher  Stellen  würde  geradezu  den  Charakter  des  Stückes ­
  verwischen.  Zu  dieser  Bemerkung  veranlasst  mich  die  Urkunde,
die  ich  unter  Nr.  XIII  folgen  lasse  und  von  der  ich  gleich  an  diesem
Orte  eingehend  handeln  will.
Gehen  wir,  was  den  Inhalt  betrifft,  von  der  einen  Bestimmung
der  Urkunde  aus,  dass  das  Kloster  S.  Colombe  hier  als  jüngst  dem
Erzbischof  von  Sens  zugesprochen  bezeichnet  und  dass  diese  Besitzung ­
  hier  dem  Hieremias  nochmals  bestätigt  wird,  so  scheint  sie
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.