Beiträge zur Diplomatik. 385
zuzuschreiben sei, jedenfalls enthalten seine Abschriften ziemlich viel
Fehler.
Das führt mich nun darauf anzugehen, nach welchen Regeln ich
die Texte von nur abschriftlich überlieferten Urkunden veröffentliche
und welches Verfahren ich auch heim Abdruck der folgenden sämmtlich
mir nur aus Copien bekannten Stücke beobachtet habe. Ohne hier
die Frage, wie man Urkunden ediren soll, eingehend zu besprechen,
muss ich doch betonen, dass bei der Publication vor allen Dingen zu
unterscheiden ist zwischen Urkunden, die nach den Originalen veröffentlicht
werden, und denen, für die wir die Originale nicht mehr
besitzen. Die Regel jene möglichst genau im Drucke wiederzugeben
kann und muss geradezu für diese in einigen Puncten eingeschränkt
werden. Wenn es für die diplomatische Kritik von grösster Wichtigkeit
ist, dass alle Eigenthiimlichkeiten der Schreibweise der Originale,
welche sich mit unseren Lettern wiedergeben lassen, auch in den
Drucken beibehalten werden, so hat es sehr geringen Werth, auch die
besondere, den Originalen zumeist nicht entsprechende Schreibweise
der Copisten im Drucke wiederzugehen. Und namentlich hei der Veröffentlichung
ganzer Urkundensammlungen wird sich eine gleichmässige
Behandlung der Texte ohne Rücksicht auf die unter sich differirenden
Schreibarten der Copien empfehlen. Bei Publication einzelner
Stücke mag es dagegen dem Belieben des Herausgebers anheimgestellt
bleiben, ob er auch die eigentümliche Schreibart der Copien
beibehalten will oder nicht, sobald er nur angibt, welches Verfahren
er beobachtet hat. Ich habe in den folgenden Drucken die Orthographie
der von mir benutzten Copialbücher nicht verändert.
Anders beurteile ich diejenigen von den Copisten vorgenommenen
Abänderungen, welche das Verständniss der Urkunden erschweren
oder sogar den Sinn einzelner Sätze entstellen. Abschreiber des 11.
und 12. Jahrhunderts verstehen sehr oft die Sprache der ältesten,
namentlich der vor 800 geschriebenen Urkunden nicht mehr und versuchen
sich in vermeintlichen Emendationen. Hier wird es meiner
Ansicht nach geradezu die Aufgabe des Herausgebers, durch entsprechende
Recension des Textes die Urkunden so wie sie ursprünglich
gelautet haben müssen wieder herzustellen. So habe ich in den folgenden
Drucken, so oft es das richtige Verständniss zu erfordern schien,
alle entschieden verderbten Stellen der mir vorliegenden Copien zu
emendiren gesucht und habe die Lesarten der Copialbücher nur in den