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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 49. Band, (Jahrgang 1865)

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Beiträge  zur  Diplomatik.  383
nisse  und  an  die  in  einzelnen  Gebieten  gebräuchlichen  Titulaturen
gedacht  hat,  zeigt  sich  darin,  dass  in  eben  den  Formeln,  in  denen  wir
den  Herzogen  begegnen,  wohl  unterschieden  wird,  ob  die  Urkunden
für  fränkische  oder  italische  Gebiete  ausgestellt  werden:  im  letztem
Falle  werden  fast  regelmässig  (B.  72,  84,  118  u.  a.)  unter  den
Beamten  auch  die  gastaldi  genannt,  im  andern  Falle  wird  man  diese
Beamten  nie  aufgeführt  linden  >).  So  gut  nun  wie  man  mit  Bewusstsein
das  eine  Wort  in  die  etwa  vorliegende  Formel  einschaltete,  würde
man  wohl  auch  ein  anderes,  wenn  es  ganz  bedeutungslos  gewesen  oder
doch  selbst  hds  Titulatur  veraltet  gewesen  wäre,  ausgelassen  haben.
Statt  dessen  wurde  das  Wort  duces  auch  bei  der  Aufstellung  neuer
Formeln  unter  Ludwig  d.  F.,  die  sich  allerdings  gleichfalls  an  ältere
anlehnten,  aber  doch  dem  Spraehgebrauche  der  Abfassungszeit  entsprechende ­
  Umarbeitungen  waren,  beibehalten,  wie  sich  am  schlagendsten ­
  bei  den  Zollbriefen  zeigt.  Carpentier  3=Roziere  33,  vor  dem  Jahre
829  abgefasst,  beginnt  mit  omnibus  episcopis,  abbatibus,  ducibus
und  denselben  Eingang  hat  Carp.  31  =  Roz.  30  vom  J.  828,  und
auch  Carp.  13,  20  =  Roz.  34,  33  mögen  ihn  gehabt  haben,  da  er
z.  B.  in  dem  wörtlich  mit  Roz.  33  übereinstimmden  B.  308  begegnet.
•  Er  kann  gradezu,  indem  er  um  dieselbe  Zeit  in  Urkunden  anderen
Inhalts  seltener  wird,  als  ein  den  Zollbriefen  eigeiithümlicher  betrachtet ­
  werden.  Damit  ist  aber  entschieden,  dass  ebenso  wie
man  nach  Zertrümmerung  der  einstigen  Slammeslierzogtlnimer
noch  von  ducatus  geredet  hat  (Waitz  3,  300  IT.),  gleichfalls  duces
als  auch  von  der  Kanzlei  den  vornehmsten  Beamten  weltlichen  Standes ­
  in  ihrer  Gesammtheit  gegebener  Ehrentitel  sich  ununterbrochen
erhalten  hat,  obgleich  schon  seit  geraumer  Zeit  dem  Titel  kein  besonderes ­
  Amt  mehr  entsprach.  Und  daran  schliesst  es  sich  dann  an,  dass
auch  nichtofficielle  Aufzeichnungen  der  Zeit  in  demselben  Sinne  von
Herzogen  im  fränkischen  Reiche  sprechen,  ohne  doch  ein  herzogliches
Amt  zu  kennen.

1 )  Als  Analogon  lässt  sich  anführen,  (lass  ebenso  bei  der  Erwähnung  der  Pertinenzen
von  Besitzungen,  obgleich  es  auch  dafür  stehende  Formeln  gab,  die  besonderen
Verhältnisse  Italiens  berücksichtigt  wurden.  So  als  Karl  dem  Martinskloster  in
Tours  in  B.  ö7  Güter  in  Italien  schenkte,  wurden  auch  massarii  und  oliveta  inbogriffen,
  welche  die  fränkischen  Formeln  nicht  kennen.

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