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S i c k e I
und traditionelle Fassung, und wenn andererseits diese Übereinstimmung
in den Hauptsätzen eine gewisse Mannigfaltigkeit des Ausdrucks
, Kürzungen und Erweiterungen nicht ausschliesst, so sind
es doch immer nur stylistische Differenzen. Diese Elasticität des Ausdrucks
war eben desshalb möglich, weil die Norm der in der Immunität
inbegriffenen Rechte, wie sie sieh durch Gewohnheit und
vielleicht auch durch uns nicht erhaltene Gesetze herausgebildet hatte,
für jedermann feststand. In diesem Sinne wird denn auch unter
Ludwig die Immunität, obgleich für die Diplome verschiedene Formeln
angewendet wurden, als eine allen Kirchen und Klöster gemeinsame
(S. 314) bezeichnet.
Allerdings ist im Laufe der Zeit auch die Institution der Immunität
fortgebildet worden, wovon zuerst einzelne Urkunden aus der zweiten
Hälfte des Jahrhdts., namentlich seit Karl d. D., bestimmtes Zeugniss
ahlegen. Aber in den Diplomen der ersten Karolinger, die wir
hier näher geprüft haben, lassen sich noch keine Phasen fortschreitender
Entwickelung unterscheiden: wir haben bei keiner der im
Einzelnen betrachteten Bestimmungen einen sachlichen Unterschied
zwischen den Immunitäten Pippin's und Karl's und zwischen denen
Ludwig’s kennen gelernt. Ja indem die Urkunden des ersten Königs
dieses Geschlechts und eben so die von seinem Sohne in der ersten
Periode seiner Regierung verliehenen sich in ihrem Wortlaute zumeist
an die am Ausgang des siebenten Jahrhunderts von Marculf
aufgestellten Formeln -anschliessen, müssen wir sagen, dass fast zwei
Jahrhunderte hindurch der Begriff der Immunität, wie er uns aus den
Diplomen bekannt ist, unverändert derselbe geblieben ist. Hat trotzdem
in diesen Zeiten eine Fortbildung der Institution stattgefunden,
so kann sie, da ihr in dem Wortlaut der Urkunden nicht Ausdruck
gegeben worden ist, jedenfalls eine nur geringe gewesen sein.
Dagegen muss, wenn auch die Immunität in diesen Jahrhunderten
dieselbe geblieben ist, die immer zunehmende Verbreitung derselben
und die schnelle Vermehrung der Immunitätsherrschaften von grossem
Einfluss auf die öffentlichen Verhältnisse gewesen und auf deren Umgestaltung
mächtig mit eingewirkt liahen.