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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 49. Band, (Jahrgang 1865)

stellen  lassen  und  man  musste  sich,  wenn  gute  Bronze  fehlte,  mit  einfacheren ­
  Formen  behelfen.  Derselbe  Fall  trat  bei  der  Anfertigung  von
Schmucksachen  ein;  da  erwies  sich  die  Spirale  als  ein  dankbarer,  durch
blosse  Schmiedearbeit  herzustellender  Typus.  Aber  auffallender  Weise
kommt  gerade  diese  mit  den  vollendeten  Bronzen  so  häufig  vor,  und
zwar  ist  es  die  vorgerücktere  Zeit,  da  man  schon  viel  Eisen  hatte,  in
der  sie  zur  Herrschaft  gelangte  (z.  B.  in  den  Gräbern  der  Lieven  und
in  denen  von  Hallstatt);  sie  scheint  also  dem  Kreise  der  charakteristischen ­
  Bronzeformen  anzugehören.  Was  aber  die  Hauen  und  Hämmer ­
  anbelangt,  die  mitunter  in  Ungern  aus  reinem  Kupfer  bestehend
angetroffen  werden,  von  denen  Kel  1  er  in  seinem  fünften  Pfahlbauberichte ­
  eine  Anzahl  abbildet l )  und  daraus  auf  das  Bestehen  eines
Kupferalters  in  diesen  Ländern  schliessen  zu  dürfen  glaubt,  so  gehören ­
  diese  wohl  einer  späteren  Zeit  an,  was  nicht  nur  aus  ihrer  Form
hervorgeht,  sondern  aus  dem  Umstande,  dass  vollkommen  ähnliche
aus  Bronze  und  Eisen  Vorkommen  (Fig.  IS).  Einzelne  aus  der  späte-Fig.
  IS.

sten  Periode  des  Heidenthums  herrührende  Gegenstände,  wie  die  zu
Kuttenberg,  Chotowny  und  anderwärts  gefundenen  zahlreichen
Binge^),  die  der  Wendenfriedhöfe  Mecklenburgs,  die  Krone  von  Admansbagen
  bei  Doberan  in  Mecklenburg 3 ),  bezeugen  gerade,  dass  zu
allen  Zeiten  mitunter  reines  Kupfer  verarbeitet  wurde.  Dieses  war
leichter  zu  haben,  da  es  in  vielen  Ländern  in  grösseren  Quantitäten
vorkommt,  das  Zinn  dagegen  musste  durch  den  Handel  aus  England
(vielleicht  auch  aus  Portugal)  bezogen  werden  —  kein  Wunder,
dass  es  bisweilen  fehlte.  Auch  die  verschiedenartigen  Legirungen,
oft  nur  mit  geringem  Zinnzusatz,  von  5—2  Percent,  dürften  sich

*)  Mittheil.  d.  antiquar.  Gesellsch.  in  Zürich  Bd.  XIV,  Hft.  6,  Taf.  VII.
2 )  Wocel,  Arehäolog.  Parallelen  in  den  Sitzb.  der  k.  Akademie  XVI,  195,  218.
3 )  Jahresbericht  des  Vereines  f.  mecklenburg.  Gesch.  und  Alterthumsk.  1845,  S.  272.
            
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