Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 49. Band, (Jahrgang 1865)

Die  Funde  an  der  langen  Wand  l»ei  Wiener-Neustadt.

13i>

mitbrachten  oder  irn  Laufe  der  Zeit  erlernten,  noch  bevor  ihnen  durch
den  Handel  Zinn  oder  fertige  Erzgeräthe  zukamen,  dass  somit  ein
eigentliches  Kupferalter  eine  Zeit  hindurch  bestand,  und  es  erhält
diese  Annahme  durch  den  Umstand,  dass  in  verschiedenen  Gräbern
Nord-Deutschlands  neben  Steingeräthen  aus  Kupfer  gefertigte  Vorkommen, ­
  allerdings  eine  Stütze,  allein  es  liegen  noch  zu  wenig
beweiskräftige  Objecte  vor,  um  einen  sicheren  Schluss  ziehen  zu
können.  Gerade  in  Ungern  und,  wie  wir  aus  unserem  Funde  von  der
Wand  sehen,  in  Niederösterreich  gegen  die  ungrische  Grenze  hin
kommen  besonders  viele  Gegenstände  aus  ungemischtem  Metalle  vor,
aber  sie  sind  auch  noch  nicht  entscheidend.
Die  charakteristische  Formgebung,  der  ausgeprägte  Styl,  den
die  über  ganz  Mittel-Europa  verbreiteten  Bronzealterthümer  zeigen,
scheint  eben  fremden  Ursprunges  und  von  den  südlichen  Culturvölkern
  ausgegangen  zu  sein,  was  aus  der  auffallenden  Übereinstimmung ­
  mit  griechischen  und  insbesondere  mit  etruskischen  Arbeiten ­
  hervorgeht;  die  Geräthe  aus  Kupfer  gehören  grösstentheils  in
dieselbee  Kategorie.  Diese  sind  in  der  Regel  Meissei  oder  Keile,  Hauen,
Hämmer  und  Spiralgewinde.  Allerdings  zeigen  die  ersteren,  die  nicht
blos  in  Österreich,  sondern  in  allen  Ländern,  in  denen  Erzgeräthe
Vorkommen,  hie  und  da  gefunden  wurden,  z.  B.  in  Böhmen  bei  Vinafic,
bei  Steinfurt,  Mainz  <)»  im  Moor  von  Blengow  in  Mecklenburg 2 ),  bei
Schwerins),  Derinsallagh  in  Irland,  in  Dänemark,  eine  sehr  primitive
Form  ohne  Vorrichtung  zum  Schäften  und  erinnern  so  augenfällig  an
die  Steinkeile,  aus  denen  sie  hervorgegangen  zu  sein  scheinen;  man
ist  also  in  der  That  versucht,  sie  als  die  ältesten,  einfachsten,  aus
der  Nachahmung  der  Steingeräthe  entstandenen  Typen  anzusehen,
aber  abgesehen  davon,  dass  gewisse  einfache  Formen  zu  allen  Zeiten ­
  ziemlich  constant  bleiben,  so  können  diese  auch  durch  das  Materiale ­
  und  die  davon  abhängige  Technik  bedingt  sein.  Ungemischtes
Kupfer  lässt  sich  seiner  Dickflüssigkeit  wegen  nur  schlecht  giessen
und  wird  immer  blasig,  desto  besser  aber  kann  man  es  hämmern  und
treiben.  Ein  Beil  mit  Schaftlappen  oder  Röhre,  wie  die  gegossenen
Bronzen  besitzen,  würde  sich  aus  reinem  Kupfer  nicht  so  leicht  her-')

  Lindensdimi  t  a.  a.  0.  Hft.  I,  Taf.  III,  2,  3.
2 )  Friderico-Francisc.  Tab.  XXXIII,  2.  X,  6,  Erläut.  S.  107.
s )  Kemble,  Horae  ferales,  PI.  IV,  1,  2.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.