Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 49. Band, (Jahrgang 1865)

134

v.  Sacken

Griechenland  im  Ende  seines  Bronzealters  stand,  da  das  Erz  weitaus
überwiegend  gegen  das  noch  kostbare  Eisen  angeführt  wird,  kennt
auch  schon  das  Zinn;  gewiss  kannte  man  schon  die  Legirung  des
Kupfers,  während  man  zu  getriebenen  Arbeiten  das  letztere  Metall
rein  verwendete.  Die  ältesten  Bewohner  des  nördlichen  Asiens,  das
verschollene  Volk  der  Tschuden,  verfertigten  ihre  Werkzeuge  aus
Kupfer,  das  sie  in  den  oberflächlichen  Schichten  des  Altai  schürften;
noch  jetzt  dienen  die  alten  Tschudenschürfe  den  russischen  Bergleuten ­
  als  Wegweiser,  indem  sie  nicht  in  die  Tiefe  arbeiteten,  und  nicht
leicht  wird  ein  Bergbau  eröffnet,  wenn  nicht  durch  eine  solche  Spur
die  Aussicht  auf  Erfolg  gegeben  ist  t).  Sie  schmolzen  das  Metall
theilweise  in  den  Gruben  an;  im  östlichen  Sibirien  hat  man  über
1000  kleine  Schmelzöfen  gefunden,  sowie  Tiegel  und  Geräthe.  Aber
auch  die  Bronze  war  ihnen  bekannt,  mit  7—26  Percent  Zinn;  ob  sie
dieses  aus  China  bezogen  (die  chinesischen  Legirungen  enthalten  stets
Zinn)  und  die  Erzgeräthe  selbst  verfertigten,  oder  ob  sie  diese  von  den
Griechen  erhielten,  mit  denen  sie  schon  zu  Herodot’s  Zeit  in  Handelsverbindung ­
  standen,  darüber  könnte  erst  eine  genauere  Untersuchung
der  Bronzen  Aufschluss  geben.  So  viel  ist  gewiss,  dass  sie  um  200  vor
Chr.  durch  tartarische  Völkerschaften  gegen  den  Ural  zurückgedrängt,
von  nun  an  statt  des  Zinnes  dem  Kupfer  Blei  zusetzten,  die  Altaigruben ­
  aber  verschütteten  sie  vor  ihrem  Abzug  und  diese  blieben,  da
die  nomadischen  Tartaren  keinen  Bergbau  betrieben,  bis  1373
unbenützt.
Man  sieht  sonach  einerseits  die  uralte,  weit  verbreitete  Kenntniss
  des  Bergbaues,  andererseits  die  frühe  Bekanntschaft  verschiedener ­
  Völker  mit  der  Bronze.  Es  scheint  überhaupt  die  Verbreitung ­
  der  Metalle  nicht  von  einem  Puncte,  sondern  von  mehreren
Seiten  ausgegangen  zu  sein,  indem  man  deren  Nutzung  in  verschiedenen ­
  Zeiten  und  Orten  entdeckte,  wie  dies  z.  B.  beim  Eisen  der
Fall  gewesen  zu  sein  scheint,  welches  schon  sehr  früh  im  Norden
und  —  gewiss  ausser  Zusammenhang  hiermit  —-  den  südlichen
Kulturvölkern  bekannt  war.  Es  kann  somit  die  Möglichkeit  nicht  in
Abrede  gestellt  werden,  dass  auch  die  Völker,  welche  sich  in  unseren
Ländern  niederliessen,  die  Kenntniss  der  Verarbeitung  des  Kupfers

1)  C.  Bitter,  Erdkunde,  2.  Auf],  S.  819,  824,  841.
wissenschaftliche  Kunde  von  Russland,  XIX,  55.

Ermann,  Archiv  für
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.